Sport : "Bin so erfolgshungrig, als hätte ich nie gewonnen"

HARTMUT MOHEIT

FRAGE: Nach der Pole-position und dem Sieg im Vorjahr gilt Melbourne zum Grand-Prix-Auftakt sicherlich auch für Sie als ein besonders gutes Pflaster ...

HÄKKINEN: Mag schon sein.Ich bin so erfolgshungrig, als hätte ich nie gewonnen.Viel hungriger als zum gleichen Zeitraum im Vorjahr.

FRAGE: Nur der Unterschied, daß Sie diesmal als Weltmeister mit der Nummer eins starten werden.Kann das besonderen Druck bei Ihnen erzeugen?

HÄKKINEN: Ich sehe das eher als einen Vorteil an, wegen der besonderen Motivation für mich und unser gesamtes Team.Ich sehe die Chancen für die Titelverteidigung mit 60:40 an.Wollen Sie wissen, für wen?

FRAGE: Wohl nicht für Ihren vermeintlich schärfsten Kontrahenten, Michael Schumacher im Ferrari, oder?

HÄKKINEN: Er selbst sieht sich ja auch nur bei 50 Prozent.

FRAGE: Ihr Team-Kollege David Coulthard hat nicht minder ehrgeizige Ambitionen geäußert.

HÄKKINEN: Das ist völlig normal.Bevor mir wieder ein Grand-Prix-Erfolg gelingt, muß ich erst einmal ihn besiegen.Ich erwarte, daß David erneut schnell und sehr hartnäckig sein wird.

FRAGE: Bringt das Probleme mit dem bei McLaren-Mercedes immer wieder betonten Teamgeist.

HÄKKINEN: Nein, der wird nach wie vor enorm wichtig sein.Das eine schließt das andere nicht aus.

FRAGE: Sind Sie die unumstrittene Nummer eins im "Silberpfeil"?

HÄKKINEN: Das positiv zu beantworten, entspräche nicht der Philosophie in unserem Team.Sicherlich haben alle noch mehr Vertrauen zu mir, nachdem mir der WM-Gewinn geglückt war.Dennoch, David und ich werden gleiche Möglichkeiten erhalten.

FRAGE: Und wenn die Nummer zwei besser ist als Sie mit der Eins auf der "Nase"?

HÄKKINEN: Die eigenen Interessen werden bei uns immer dem Team untergeordnet.

FRAGE: Aber Fahrstunden haben Sie nicht extra genommen, um mit dem neuen Silberpfeil noch schneller sein zu können?

HÄKKINEN: Nein, das war ohnehin nur ein Gag unseres Sportchefs Norbert Haug, der mir das nach der langen Winterpause empfahl.

FRAGE: Wie hat sich Ihr Leben seit dem WM-Finale 1998 in Suzuka verändert?

HÄKKINEN: Insgesamt ist es angenehmer geworden, obwohl ich zum Ende des zurückliegenden Jahres sehr viele Termine hatte.Doch davon habe ich mich im Urlaub in der Karibik mit meiner Frau gut erholt.

FRAGE: Ging das mit dem Abschalten?

HÄKKINEN: Nein.Ich benötigte fast eine Woche, um mal durchschlafen zu können.In dieser Zeit habe ich gemerkt, wie aufgedreht ich nach den sechs Wochen Knochenarbeit zum Saisonende wirklich war.

FRAGE: Welchen Eindruck haben Sie von dem neuen MP4-14?

HÄKKINEN: Das Auto ist, so wie ich es erwartet hatte, leichter und schneller.Es wirkt auf den ersten Blick phantastisch.Vor allem der Motor beeindruckt mit seiner Power.Vielen Dank an die Techniker und Ingenieure.

FRAGE: Das macht wohl Appetit?

HÄKKINEN: Bestimmt, ich möchte weitere Siege und Titel.Ich bin jetzt wirklich erst so richtig auf den Geschmack gekommen.Allerdings werde ich jetzt nicht den Fehler begehen zu denken, daß ich der Größte bin.Es wird alles für mich bestimmt viel schwerer.Ich bin jetzt der Gejagte.

FRAGE: Sind Sie als Formel-1-Weltmeister selbstsicherer geworden?

HÄKKINEN: Ich denke schon, aber andere können das besser beurteilen.Als Sieger fällt mir das Lächeln sicherlich leichter.

FRAGE: Charakterisieren Sie mal kurz und knapp Ihre Einstellung im Formel-1-Geschäft.

HÄKKINEN: Ich kann nicht verlieren.

FRAGE: Haben die Tests Sie in der Hoffnung bestärkt, daß es damit bereits wieder in Melbourne klappen könnte.

HÄKKINEN: Ob ich dort gewinne, weiß ich nicht.Aber das Auto ist, wie gesagt, super.Wir müssen erst einmal sehen, was die Konkurrenz draufhat.Tests sind nicht immer aussagekräftig.Erst beim Grand Prix, im Qualifying und im Rennen wird mit offenen Karten gespielt.

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