Sport : Biran kommt an

Endet die Klub-Odyssee des Stürmers bei Union?

Karsten Doneck

Berlin - Konkurrenzkampf ist nur die eine Seite. Dem daraus erwachsenden Druck mit gesundem Selbstbewusstsein zu trotzen die andere. Shergo Biran meistert die Situation souverän. Er muss sich beim Fußball-Drittligisten 1. FC Union Berlin Woche für Woche gegen „vier, fünf gute Stürmer“ behaupten, „da musst du jeden Tag im Training ordentlich Gas geben“, sagt er. Der 29-Jährige hat freilich auch gute Argumente für einen Stammplatz geliefert: 18 Tore hat er in der vorigen Saison in der Regionalliga erzielt, schön gleichmäßig verteilt: neun für Babelsberg 03, dann – nach seinem Wechsel in der Winterpause – noch einmal neun für den 1. FC Union. Solche Quoten bringen Anerkennung. „Shergo hat ein riesiges Kämpferherz. Mir gefällt seine Wuseligkeit, er hat dazu diese gewisse Schlitzohrigkeit“, rühmt Christian Beeck, Unions Sportdirektor, die Vorzüge des Stürmers.

Shergo Biran soll seine Qualitäten auch heute (14 Uhr, Jahn-Sportpark) im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig einbringen. Eines grippalen Infekts wegen hat er Anfang der Woche ein paar Tage mit dem Training aussetzen müssen. Egal, Trainer Uwe Neuhaus braucht Biran. Am Mittwoch, beim lockeren 13:0 im Berliner Pokal beim unterklassigen SC Lankwitz, stand Union mit dem jungen Steven Jahn nur noch ein echter Stürmer zur Verfügung. Karim Benyamina plagt eine Innenbanddehnung, Nico Patschinski zwickt’s am Rücken, Dustin Heun ist nach seiner Knieverletzung noch im Aufbautraining. Bei solcher Personalnot spielen Trainingsrückstände keine Rolle mehr: Wahrscheinlich bilden Patschinski und Biran gegen Braunschweig wieder das Angriffsduo.

Aber auch so ist Shergo Biran erfahren genug, sich auch unter schwierigen Umständen durchzubeißen. Er kam schließlich schon in der Bundesliga zum Einsatz. Nur kurz allerdings: Ganze 25 Minuten war er dabei. Für Hansa Rostock wurde er vor vier Jahren gegen Bayern München mal für die letzten sechs Minuten eingewechselt, gegen den 1. FC Nürnberg für 19 finale Minuten. Als aber sein Förderer Juri Schlünz bei Hansa des Traineramtes enthoben wurde, erlosch Birans just aufgehender Stern sofort. „Der neue Trainer hat mehr auf die erfahrenen Spieler gesetzt und dem haben dann sowieso bald alle aus der Hand gefressen“, sagt Biran über den damaligen Schlünz-Nachfolger Jörg Berger. Den Karrieresprung nach ganz oben hat Biran danach nicht mehr geschafft. Er trägt es mit Fassung. „Man kann es sich doch nicht aussuchen“, sagt Biran, „im Fußball liegen Glück und Pech dicht beieinander. Da musst du eben zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein. Das schafft man nicht immer.“

Shergo Biran hat in den letzten neun Jahren in neun verschiedenen Vereinen gespielt. Jetzt scheint er angekommen zu sein: beim 1. FC Union. Aufsteigen will er mit den Köpenickern, noch mal Zweite Liga spielen – wenigstens das. Und mit Toren will er seinen Beitrag dazu leisten. Vielleicht ja auch heute gegen Braunschweig.

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