Sport : Bis auf die Toilette

Brasilien schlägt Äquatorialguinea 3:0

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Frankfurt - Ein jeder Junge, der in den Siebziger- oder Achtzigerjahren auf deutschen Sportplätzen das Fußball-Einmaleins gelernt hat und dabei einmal den so genannten Manndecker abgeben musste, hat den Befehl seines strengen Trainers noch heute im Ohr. Dem Gegenspieler solle man folgen auf Schritt und Tritt, versehen mit dem eindringlichen Zusatz „bis zur Toilette“. Die 35 859 überwiegend männlichen Zuschauer in der Frankfurter Arena durften sich beim eigentlich unbedeutenden 3:0 (0:0)-Sieg von Brasilien über Äquatorial-Guinea in der zweiten Halbzeit an ihre Jugendzeiten erinnert fühlen. Es war der Moment, in dem die Afrikanerin Bruna, schon bekannt durch ihr spektakuläres Handspiel gegen Australien, dem Weltstar Marta sogar folgte, als die sich Anweisungen ihres Trainers Kleiton Lima abholen wollte. Ein Raunen machte sich breit, und Lima kritisierte seinen Kollegen und Landsmann Marcello Frigerio für diesen Griff in die taktische Mottenkiste. „Bruna versteht auch Portugiesisch. Deshalb konnte ich Marta nicht einmal eine Anweisung geben.“

„Das hat sehr genervt“, sagte Marta, „aber damit muss ich mich arrangieren.“ Immerhin eine Flanke als Torvorlage steuerte die ansonsten weitgehend abgemeldete Weltfußballerin zu einer erst in der zweiten Halbzeit ein wenig ansehnlichen Begegnung bei, in der Brasilien durch Treffer von Erika und zweimal der starken Cristiane völlig verdiente siegte. Dass sich Äquatorial-Guinea zeitweise gut verkaufte, war mindestens ein halbes Dutzend eingebürgerten Brasilianerinnen zu verdanken. „Vania und Carolina haben schon für Brasilien gespielt, andere waren schon bei unsere Lehrgängen – die habe ich auch erkannt“, sagte der verärgerte Lima. Fraglich nur, ob sich der Weltverband Fifa noch einmal mit den wohl ziemlich offensichtlichen Schummeleien des westafrikanischen Küstenstaates im Frauenfußball befasst – Äquatorial-Guinea will nach dem Ausscheiden ganz schnell wieder heim fliegen. Frank Hellmann

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