Sport : Bis aufs Blut

Im Streit um Jens Filbrichs Hämoglobinwert zieht der Deutsche Skiverband vor den Sportgerichtshof

Benedikt Voigt

Berlin – Seit kurzem beginnt für Jens Filbrich ein Langlaufwettbewerb am Tag vor dem Startschuss. Immer dann, wenn ihm die Dopingbeauftragten des Internationalen Skiverbandes (Fis) Blut abnehmen. An solchen Tagen muss Jens Filbrich so lange warten, bis ihm der Verband seinen aktuellen Hämoglobinwert bekannt gibt. Und zittern. Liegt sein Wert bei 17,0 oder höher, wie vor zwei Wochen in Kuusamo, wird er mit einer Schutzsperre belegt und darf nicht starten. Nur wenn er darunter liegt, darf er sich am nächsten Tag die Langlauf-Ski für den Wettkampf anschnallen. Am Wochenende wies sein Blut einen tieferen Wert auf – prompt lief er in Vernon, Kanada, auf Rang vier.

Nun will der Deutsche Skiverband (DSV) das ständige Zittern um seine Starterlaubnis beenden und hat gestern beim Internationalen Sportgerichtshof (Cas) eine einstweilige Anordnung beantragt, damit Jens Filbrich trotz seiner hohen Blutwerte am Weltcup regelmäßig teilnehmen kann. Eine solche Ausnahmegenehmigung hat ihm die Fis bislang verweigert. „Leider hat die Fis die entstandene Diskussion durch unhaltbare Vorwürfe noch einmal verschärft“, sagt DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller, „es bleibt uns deshalb gar keine andere Wahl, als die Angelegenheit nun unseren Rechtsanwälten zu übergeben“.

Ein hoher Hämoglobinwert kann als Hinweis auf eine Einnahme des Dopingmittels Epo gelten. Doch es gibt Athleten, die genetisch bedingt einen hohen Wert aufweisen und mit einer Ausnahmegenehmigung starten dürfen. Dies müsste nach Meinung des DSV auch bei Jens Filbrich der Fall sein. „Wir stehen voll hinter ihm, weil wir wissen, dass er ein sauberer Athlet ist“, sagt Thomas Pfüller. Auch Jens Filbrichs Bruder und Mutter haben hohe Hämoglobinwerte. Bereits vor neun Jahren habe sein Wert um 16,5 geschwankt, sagt DSV-Arzt Ernst Jacob. Ein Gutachten der Universität Tübingen bestätigt eine genetische Veranlagung zu hohen Hämoglobinwerten. Doch Bengt Skalin, Chef der Medizinischen Kommission der Fis, vertrat bisher den Standpunkt, dass Filbrichs Werte zu schwankend seien, um als konstant erhöhter Hämoglobinwert anerkannt zu werden.

In früheren Jahren stellten Filbrichs hohe Werte kein Problem dar, weil der Grenzwert im Langlaufen bei 17,5 lag. Vor der Saison 2004/05 aber hat die Fis diesen auf 17,0 herabgesetzt. Nun hat Jens Filbrich diesen Wert in Kuusamo erstmals exakt erreicht – und durfte nicht starten. Der Deutsche Skiverband veranlasste daraufhin sofort eine Dopingprobe bei seinem Läufer, um zu beweisen, dass Filbrich nicht gedopt ist. Am Samstag gab der DSV bekannt, dass dieser Test negativ ausgefallen sei.

In den letzten Tagen hat sich der Streit zwischen DSV und dem Weltskiverband verschärft. In einer Telefonkonferenz verhärteten sich die Standpunkte, nach Informationen der Deutschen Presseagentur geht aus einer schriftlichen Gesprächsnotiz hervor, dass die Fis weiter einen Dopingverdacht hegt.

Nun muss der Internationale Sportgerichtshof den Streit der Verbände klären. „Unser Ziel muss es sein, dass die von uns vorgelegten Nachweise und unabhängigen Gutachten von der Fis anerkannt werden“, sagt DSV-Rechtsanwalt Werner Scheuer. Die deutschen Langläufer bilden gegenwärtig die absolute Weltspitze, am Samstag feierten die Läufer von Bundestrainer Jochen Behle einen historischen fünffachen Erfolg in der Doppelverfolgung in Vernon. Das Langlaufen ist in den letzten Jahren immer wieder von Dopingfällen betroffen gewesen. Ein Grund mehr für die Langlaufabteilung des DSV, diesen Fall zu klären. Sonst wird der Dopingverdacht die deutschen Langläufer weiter durch den olympischen Winter begleiten.

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