Sport : Bis der Weltstar müde war

Ex-Dortmunder Oliseh bei Bochums 2:1-Sieg im Mittelpunkt

Richard Leipold

Bochum. Die meisten Blicke richteten sich von Anfang an auf zwei Fußballspieler des VfL Bochum: auf Sunday Oliseh, weil er in der Winterpause auf dem kurzen Dienstweg über die Bundesstraße eins von Borussia Dortmund gekommen ist, und auf Sebastian Schindzielorz, weil er angekündigt hat, den Aufsteiger nach dieser Saison zu verlassen. „Wir wussten, dass sie mit Argusaugen beobachtet werden", sagte VfL-Trainer Peter Neururer. Bei näherem Hinsehen war zu erkennen, dass die beiden defensiven Mittelfeldspieler ihr von vornherein zeitlich begrenztes Zusammenspiel noch verbessern können. Ihre wichtigste Aufgabe indes wussten sie beim 2:1 über den 1. FC Nürnberg zufriedenstellend zu lösen. Neururer bescheinigte ihnen, „stabilisierend“ gewirkt zu haben. Oliseh hatte am Anfang sogar eine gewisse Angriffslust erkennen lassen, tauchte später aber im Mittelmaß unter.

Vor dem Anpfiff hatte Neururer den Nigerianer Oliseh als den „größten Weltstar, den Bochum je hatte", gepriesen. Kein Wunder, dass die Fans bei so jemandem genau hinschauen, gerade im Ruhrstadion, wo Fußballprofis von Weltruf in aller Regel das Trikot des Gegners tragen. Vor dem Wechsel in die ambitionierte (Fußball-)Provinz hatte Oliseh für die europäischen Renommierklubs Ajax Amsterdam, Juventus Turin und Borussia Dortmund gespielt. Ein Profi mit seiner Vita lässt sich von den Argusaugen der Bochumer nicht irritieren, sondern spielt sein Premierenpensum routiniert ab. Damit setzte Oliseh einen Trend, dem seine neuen Kollegen in der zweiten Halbzeit nahezu geschlossen folgten. Nach der Pause verteidigten die Bochumer nur noch den Vorsprung, den Christiansen und Freier nach dem Nürnberger Führungstor erzielt hatten.

Nach dem 0:1 waren Oliseh und Schindzielorz nicht mehr die Einzigen, die unter besonderer Beobachtung standen. Der Bochumer Verteidiger Frank Fahrenhorst hatte mit einem missratenen Rückpass die Vorarbeit geleistet, die der Nürnberger Stürmer Cacau zum Führungstor vollendete. Trotz des Fauxpas fand der Abwehrspieler im Laufe der Partie zu sich selbst und zu seiner Form. Sein Trainer nahm die Steigerung zum Anlass, Fahrenhorst überschwänglich zu loben. „Er war der beste Spieler auf dem Platz“, behauptete Neururer. Nach dem Seitenwechsel bestimmte der Club das Spiel, ohne den Sieg des VfL in Gefahr zu bringen. Selbst wer mit Argusaugen hinschaute, sah keine großen Chancen für Nürnberg. So hatte Oliseh nach langer Zeit wieder Freude an Arbeit, Sport und Spiel. „Ich bin glücklich, wieder Fußball zu spielen“, sagte er.

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