Sport : Bis einer heult

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Es ist die Logik kleiner Kinder. Wird ein Schuljunge bei einer Dummheit erwischt, lässt sich die Frage nach der Schuld mit einem schnellen „Aber die anderen haben doch auch...!“ abwiegeln. Wenn alle beteiligt waren, dann kann der Einzelne doch nicht schuld gewesen sein, dann war die Dummheit auch gar nicht so schlimm. Haben ja alle gemacht.

Das ist dieselbe „Ich habe niemanden betrogen“-Logik, mit der sich Jan Ullrich im Radsport seit Jahren gegen Dopingvorwürfe wehrt. Und dieselbe Logik, mit der nun auch Juventus Turin zwei italienische Meistertitel zurückfordert, die dem Fußballklub nach einem Manipulationsskandal 2006 aberkannt wurden. Im laufenden Strafprozess zum Skandal legten die damaligen Juve-Manager abgehörte Telefonate vor, die belegen sollen, dass auch Konkurrenten wie Inter Mailand Kontakt zu Schiedsrichtern hatten. Eine gängige Praxis also und daher nicht verwerflich.

Eine Logik, der sich Inters Präsident Massimo Moratti nicht anschließen will: „Wenn wir so denken wie sie, fordern wir auch noch zwei Titel aus der Vergangenheit.“ Schließlich, so Moratti, habe Inter 1998 und 2002 ebenfalls zwei Titel durch zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen an Juve verloren. Nun könnte man ja einfach ein Titeltauschgeschäft zwischen Juventus und Inter vorschlagen, um den Streit zu schlichten. Doch diese Logik wäre genauso falsch wie die Kleinkind-Logik von Juve. Nur weil alle bei einer Dummheit mitgemacht haben, macht es die Dummheit nicht besser. Wie Kinder lernen die Klubs wohl nur, wenn man allen, die mitgemacht haben, ihre liebsten Spielzeuge einfach ganz wegnimmt: die Titel.

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