Sport : Bis Halbfinale und nicht weiter

Volleyball: SCC läuft den eigenen Vorgaben hinterher

 Karsten Doneck
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Michael Warm

Berlin - Manche hatten Glück. Kaweh Niroomand zum Beispiel. Der hielt sich am Montagabend aus beruflichen Gründen bereits in Dubai auf. Dem Manager des Bundesligisten SC Charlottenburg blieb somit erspart, persönlich erleben zu müssen, wie sich seine Mannschaft im Halbfinale um den deutschen Volleyball-Pokal beim Moerser SC mit 0:3 (18:25, 24:26, 23:25) verabschiedete. Wieder einmal hatte der SCC sein Traumziel verpasst, sich beim Pokal-Endspiel in Halle (Westfalen) einmal vor 11 000 Zuschauern präsentieren zu dürfen. „Ich bin maßlos enttäuscht“, sagte Niroomand, nachdem er telefonisch vom Pokal-Aus unterrichtet worden war.

„In der Annahme haben wir dem Druck des Gegners nicht standgehalten“, klagte Trainer Michael Warm. Niroomand prangerte andere, relevantere Dinge an. Ihm missfällt eine gewisse Sattheit der Akteure. „Unsere Spieler haben das Feeling entwickelt, beim SCC sei es so ein bisschen wie im Schlaraffenland, alles ist für sie in Ordnung“, sagt der Manager und entdeckt in der Mannschaft „zu wenig Reibung, zu viel Liebsein, zu viel Zufriedenheit“.

Am Einzug ins Pokalendspiel, das seit 2006 als großes Spektakel im Gerry-Weber-Stadion in Halle aufgezogen wird, ist der SCC nun viermal in Folge im Halbfinale gescheitert, zweimal gegen den VfB Friedrichshafen, zweimal gegen Moers.

„Jede Niederlage ist bitter – im Pokal ganz besonders, weil man sie da nicht mehr korrigieren kann“, sagt Michael Warm. Dass durch das ständige Ausscheiden im Pokal, stets kurz vor dem Ziel, Sponsoren oder Fans abgeschreckt werden, befürchtet Niroomand indes nicht. „Als wir Deutscher Meister waren, kamen doch auch nicht gleich fünf Sponsoren hinter dem Berg hervorgekrochen“, sagt er. Aber die Mannschaft büßt Selbstvertrauen ein, wenn sie merkt, dass es ihr, um zum großen Wurf anzusetzen, stets an Durchsetzungskraft mangelt.

„Das ist die beste Mannschaft, die der SCC je hatte.“ Das hatte Niroomand vor der Saison verkündet. Daran werden die Charlottenburger nun gemessen. Erfüllt haben sie den eigenen hohen Anspruch noch nicht – trotz ihres zweiten Tabellenplatzes in der Bundesliga. In Europa ist der SCC in diesem Jahr erst im CEV-, danach dann im Challenge-Cup jeweils am ersten Gegner gescheitert. Und der deutsche Pokal ruft beim SCC auch nur Frust statt Lust hervor. Die Saison kann für das Team eigentlich nur dann versöhnlich enden, wenn es Deutscher Meister wird. „Die Finalteilnahme, das ist jetzt das Minimum“, verlangt Niroomand.

„Wir müssen uns am VfB Friedrichshafen messen, nicht an Wuppertal oder Düren“, hatte der Manager vor der Saison verkündet. Ein paar Tage vor der Pokalpartie in Moers hatte der SCC in der Bundesliga mit Ach und Krach 3:2 gewonnen, nach 0:2-Satzrückstand, und nicht etwa in Friedrichshafen – in Wuppertal.

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