Sport : Bis sich nichts mehr dreht

Christian Hönicke

Es hat 15 Jahre gedauert, bis jemand das Phänomen Michael Schumacher in eine universelle Formel fassen konnte. Es war Schumacher selbst. „Das bin ich, wie ich bin“, sagte der siebenfache Formel-1-Weltmeister nach seinem spektakulären wie unnötigen Ausfall kurz vor Schluss des Großen Preises von Ungarn. „Es wird gekämpft, bis sich nichts mehr dreht und bis nichts mehr geht.“

Und Schumacher hat gekämpft. Der Deutsche hatte schon oft betont, dass er die Befriedigung seines Rennfahrtriebs aus den Duellen Mann gegen Mann zieht, die er so hart wie kaum ein anderer betreibt. In dieser Hinsicht ist er in Ungarn voll auf seine Kosten gekommen. Er hat bis zum Letzten dem im Nassen deutlich stärkeren Renault von Fernando Alonso Widerstand geleistet – selbst die spätere Überrundung ließ er nicht ohne Gegenwehr zu. Er hat den ebenso überlegenen zweiten Renault von Giancarlo Fisichella bekriegt, bis sein Frontflügel zerbarst, und sich trotz abgefahrener Regenreifen geweigert, den um mehr als zwei Sekunden schnelleren McLaren-Fahrer Pedro de la Rosa passieren zu lassen und stattdessen eine unerlaubte Abkürzung genommen. In der folgenden Runde hat ihm selbst das nicht mehr geholfen. Auch gegen Nick Heidfeld kämpfte Schumacher seinen aussichtslosen Kampf, bei dem er sich schließlich die Spurstange verbog und ausschied.

Fernando Alonso, der Mann mit dem eingebauten Taschenrechner, hätte das Unvermeidliche wohl akzeptiert und ein paar sichere Punkte mit nach Hause genommen. Michael Schumacher verfügt nicht über einen eingebauten Taschenrechner, und das könnte ihn jetzt die WM kosten. Auch in hoffnungslos erscheinenden Situationen zu kämpfen, bis sich nichts mehr dreht und nichts mehr geht, ist eine bemerkenswerte Eigenschaft. Es soll allerdings schon Kämpfe gegeben haben, die mit dem Einsatz des Kopfes gewonnen wurden.

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