Bis wann in Berlin? : Dieter Hoeneß: Die ganz andere Personaldiskussion

Manager Dieter Hoeneß irritiert Berlins Fußball-Bundesligisten Hertha BSC mit seiner Karriereplanung. Und was ist eigentlich mit Michael Preetz?

Sven Goldmann
Hertha BSC - Dieter Hoeneß
Dieter Hoeneß, Manager.Foto: dpa

Darf’s ein Mann für die Außenbahn sein? Auf der rechten Seite gäbe es durchaus Bedarf und auf der linken erst recht. Oder ein Ballverteiler im zentralen Mittelfeld? Vielleicht doch besser ein Stürmer mit Torinstinkt, damit die Diskussion um die Diva Marko Pantelic endlich ein Ende nimmt? Hertha BSC hätte allen Grund, sich mit personellen Veränderungen zu beschäftigen, auf dass der guten Hinrunde in der Fußball-Bundesliga eine vielleicht noch bessere Rückrunde folgt. Allerdings haben die Berliner auf einmal eine ganz andere Personaldiskussion am Hals. Es geht dabei nicht um mögliche Verstärkungen für den Januar 2009, sondern um Machtspiele, die das Jahr 2011 betreffen. Und es geht um Dieter Hoeneß, Herthas starken Mann, der ganz gern noch ein wenig länger stark sein möchte.

Bessere Zeiten - Rückzug vom Rückzug?

Denn die Zeiten für Hertha sind viel besser, als sie es vor drei Jahren waren. Damals hatte Hoeneß, müde von der ständigen Kritik an seiner Amtsführung, laut, deutlich und öffentlich seinen Rückzug angekündigt. Nach dem Auslaufen seines bis zum 30. Juni 2010 laufenden Vertrages als Vorsitzender der Geschäftsführung werde er sich ins Privatleben zurückziehen. Wahrscheinlich bereut Hoeneß diesen Schritt schon längst. Hertha hat sich finanziell konsolidiert und spielt in der Liga eine so gute Rolle wie lange nicht mehr. Und auf einmal kann es sich Hoeneß gut vorstellen, noch ein Weilchen länger im Geschäft zu bleiben. Mit dieser Ankündigung schaffte er es am Samstag bis in die Bundesausgabe der „Bild“-Zeitung. Im „Kicker“ bestätigte Hoeneß nun, dass seine Auszeit nur auf ein halbes Jahr befristet sei, und ganz ausdrücklich kann er sich einen Verbleib bei Hertha vorstellen. Er sei für alle Optionen offen, auch für eine Rolle im Präsidium oder Aufsichtsrat.

Bei Hertha BSC reagiert man irritiert. Ja, er habe von Hoeneß’ Zukunftsplänen gelesen, sagt Präsident Werner Gegenbauer – und sagt damit indirekt, dass diese Pläne keineswegs mit ihm abgestimmt sind. Zurzeit aber gebe es wichtigere Themen, nämlich das Uefa-Cup-Spiel am Mittwoch gegen Galatasaray Istanbul, den Abschluss der Bundesliga-Hinrunde gegen Schalke und Karlsruhe. Und die Causa Hoeneß? Gegenbauer winkt ab. „Um ehrlich zu sein, ist es mir ziemlich egal, wer sich 2011 um einen ehrenamtlichen Sitz im Präsidium oder Aufsichtsrat bewirbt.“

Michael Preetz hat sich schon mehrfach angeboten

Das klingt nicht gerade herzlich. Auch Michael Preetz, der seit Hoeneß’ Rückzugsankündigung als dessen Nachfolger gehandelt wird, hält sich mit Solidaritätsadressen zurück. Preetz verweist darauf, er habe schon oft zu Protokoll gegeben, „dass ich bereit bin, ab Juli 2010 mehr Verantwortung bei Hertha BSC zu übernehmen“. Mehr gebe es dazu nicht zu sagen.

Dieter Hoeneß hat es Hertha seit seinem angekündigten Rückzug nicht immer leicht gemacht. Zuvor schon hatte er aus dem Nichts heraus Diskussionen über Mentaltrainer, Stadionneubau und einen Dreijahresplan zum Erreichen der Champions League losgetreten. Sein jüngster Vorstoß wird intern als verzweifelter Versuch gewertet, eine Karriereplanung zu revidieren, die er vor drei Jahren unbedacht ausgeplaudert und hinter der er ohnehin nie gestanden hat. Das sei menschlich durchaus verständlich, aber für das Gesamtprojekt nicht gerade hilfreich in einer Zeit, in der Herthas Image sich langsam zum Besseren wandle. Ein Vertrauter sagt: „Das ist das erste Mal, dass er sein Wohl über das von Hertha stellt.“

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