Sport : Bis zum letzten Atemzug

Es ist die Strecke der Meister und der Meisterschaften, der großen WM-Finals, der Idole – und sie hatte in diesem Jahr nur einen Meister: Sebastian Vettel. Er gewinnt das Formel-1-Rennen in Japan und hält seine Titelchance weiter am Leben.

Karin Sturm[Suzuka]

Es ist die Strecke der Meister und der Meisterschaften, der großen WM-Finals, der Idole – und sie hatte in diesem Jahr nur einen Meister: Sebastian Vettel. Der Deutsche zeigte beim Großen Preis von Japan in Suzuka, dass er mit seinen 22 Jahren schon zu den wirklich Großen in der Formel 1 gehört. Auf dem äußerst anspruchsvollen Kurs und unter schwierigen Bedingungen zauberte er ein perfektes Wochenende auf den Asphalt, holte sich nach der Poleposition einen souveränen Start- Ziel-Sieg und hielt damit den WM-Titelkampf weiter offen. Seine WM-Konkurrenten Jenson Button und Rubens Barrichello belegten nur die Ränge acht und sieben, so dass Vettel zwei Saisonrennen vor Schluss seine theoretische Titelchance weiter am Leben hielt.

„Ich fühle mich gut – was für ein Rennen!“, sagte Vettel mit leicht entrücktem Blick gen Himmel. Die kritischste Phase des ansonsten ungefährdeten Siegs war der Start gewesen. Der ist sowieso nicht die besondere Stärke des Red-Bull-Piloten und war diesmal besonders problematisch, weil er in dem McLaren-Mercedes von Lewis Hamilton ein Kers-Auto direkt hinter sich hatte. „Es war enger, als ich gedacht hatte“, gestand Vettel, doch er blockte Hamiltons Manöver geschickt ab.

Den Rest der fast eineinhalb Stunden konnte er genießen. „Das Auto war fantastisch und diese Strecke ist einfach fantastisch, wie von Gott gemacht. Ich habe das Rennen sehr genossen und vor der letzten Runde fast sogar etwas bedauert, dass es schon zu Ende ist.“ Selbst eine Safetycar-Phase wenige Runden vor Schluss, nach einem heftigen Abflug des jungen Spaniers Jaime Alguersuari im Toro Rosso, brachte ihn nicht aus dem Konzept, „obwohl einen so etwas natürlich nie freut, wenn man schon einen sicheren Vorsprung hat, der dann plötzlich wieder weg ist. Aber ich hatte beim Neustart einen guten Puffer durch den Renault von Romain Grosjean.“ Der war als Überrundeter zwischen Vettel und seinenVerfolger Jarno Trulli im Toyota und Lewis Hamilton geraten, die am Ende auch die Ränge zwei und drei belegten. So blieb Vettel vorn und bekam nach seinem Triumph von allen Seiten Komplimente. Allen voran von seinem Teamchef Christian Horner: „Das war eine tolle Leistung. Sebastian blieb fehlerfrei und fuhr absolut brillant.“

Mit Nico Rosberg als Fünftem und Nick Heidfeld als Sechstem landeten zwei weitere Deutsche in den Punkterängen. Um Rosberg hatte es nach dem Rennen noch einige Diskussionen gegeben, weil er in der Safetycar-Phase angeblich zu schnell an die Box unterwegs gewesen war. Hätte er eine Strafe kassiert, wäre die Konstrukteurs-WM bereits zugunsten des Brawn-Teams entschieden gewesen, da Barrichello und Button um einen Platz aufgerückt wären. Doch obwohl Rosberg „etwa eine Sekunde unter dem erlaubten Zeitrahmen“ geblieben war, verzichteten die Sportkommissare auf eine Bestrafung. Heidfeld, genau in dieser Situation von Rosberg überholt, hatte ein bisschen auf eine Strafe für den Williams-Piloten gehofft, ärgerte sich aber vor allem über seinen missglückten Boxenstopp, bei dem eine Radmutter geklemmt hatte und durch den er schon hinter Kimi Räikkönen zurückgefallen war: „Ich hätte sicher Vierter werden können, das ist enttäuschend.“ Force-India-Pilot Adrian Sutil landete nach einer Kollision mit dem McLaren-Fahrer Heikki Kovalainen, „der mich umgedreht hat“, auf Platz 13. Timo Glock hatte nach seinem Trainingsunfall am Samstag nicht starten können (siehe Text rechts).

In der Weltmeisterschaft verkürzte Vettel den Rückstand auf Jenson Button von 25 auf 16 Punkte, Rubens Barrichello liegt sogar nur noch zwei Zähler vor ihm. Da leiht er sich schon mal das Motto der Konkurrenz aus: „Nichts ist unmöglich. Ich werde bis zum letzten Atemzug kämpfen und versuchen, auch die letzten beiden Rennen zu gewinnen. Das ist alles, was ich tun kann.“ Und dann muss er auf ein Wunder wie 2007 hoffen. „Es kann noch viel passieren, fragen Sie mal den Mann hier neben mir“, sagte er grinsend und schaute zu Lewis Hamilton, der vor zwei Jahren in den letzten beiden Rennen einen 17-Punkte-Vorsprung verspielt hatte. „Bei ihm hatten damals auch alle gedacht, es sollte kein Problem sein, den Titel zu holen.“

Den Start verfolgte er noch als Zuschauer in der Toyota-Box mit einem dicken Verband am Bein. Dann machte sich Timo Glock auf Krücken auf den Weg, um sein Flugzeug zu erwischen. „Ich gehe gleich in die Sportklinik nach Bad Nauheim“, sagte der Toyota-Pilot, der sich bei seinem Unfall im Qualifying am Samstag bei Tempo 225 eine fünf Zentimeter lange Schnittwunde an der linken Wade zugezogen hatte. Am Sonntagmorgen musste er seinen Rennstart endgültig absagen: „Laufen geht einigermaßen, aber Fahren wäre ein zu großes Risiko.“ Beim nächsten Grand Prix in Brasilien will Glock aber wieder starten. „Ich denke, es ist nur eine Sache von zwei, drei Tagen, bis ich das Bein wieder richtig strecken kann.“ Auch Glock weiß: „Es hätte deutlich schlimmer ausgehen können.“ -urm

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