Sport : Bis zum nächsten Mal

Alonso wird hinter Räikkönen Zweiter und verpasst die Chance, in Spa Formel-1-Weltmeister zu werden

Christian Hönicke[Spa]

Weil Fernando Alonso ein wohlerzogener junger Mann ist, bedankte er sich umgehend. „Es ist schön, ein weiteres Mal Unterstützung von McLaren zu bekommen“, sagte der Spanier, bevor er sich jubelnd in die Arme seines Teamchefs Flavio Briatore stürzte. Die Missgeschicke im Team des einzig verbliebenen Konkurrenten um die Formel-1-WM, Kimi Räikkönen, haben Alonso in dieser Saison schon viele Punkte eingebracht. Diesmal allerdings hatte der Renault-Pilot den falschen Adressaten gewählt. Nicht McLaren-Mercedes, sondern BMW-Williams hat er es zu verdanken, dass er als Zweitplatzierter des Großen Preises von Belgien hinter Räikkönen vor seinem ersten Titelgewinn steht. Doch der Reihe nach.

Juan Pablo Montoya und Räikkönen setzten sich von Beginn an auf der nassen Strecke von Spa-Francorchamps vom Feld ab. Die beiden McLaren-Piloten wollten mit einem Doppelsieg Räikkönens letzte Chance auf den WM-Titel wahren. Dieses Vorhaben schien ein erfolgreiches Ende zu finden, bis Antonio Pizzonia vier Runden vor Schluss mit frisch aufgezogenen Trockenreifen aus der Box geschossen kam. Der überrundete BMW-Williams-Pilot kollidierte mit dem Zweitplatzierten Montoya und löste eine Kettenreaktion aus: Alonso rückte auf den zweiten Platz vor und kann in zwei Wochen beim Grand Prix von Brasilien selbst dann Weltmeister werden, wenn er dort vier Punkte weniger als Räikkönen holt. Der Finne wiederum zeigte sich trotz seines Sieges entsprechend enttäuscht: „Wir hätten einen Doppelsieg verdient gehabt.“ Überdies unterzog Pizzonia die Männerfreundschaft zwischen den beiden Teamchefs Ron Dennis und Frank Williams einer harten Belastungsprobe.

„Frank ist ein guter Freund, deswegen muss ich aufpassen, was ich sage“, knurrte der McLaren-Chef Dennis. „Ich weiß nicht, was es bringen soll, vier Runden vor Schluss noch einmal auf Trockenreifen zu wechseln.“ Der Fahrbahnbelag in Spa trockne nun mal sehr langsam, erklärte Ron Dennis, und dann gab er seinem alten Kumpel doch noch einen mit: „Ein erfahrenes Team weiß das auch.“

In dieser Hinsicht müssen offensichtlich auch andere Rennställe noch eine Menge lernen. Der von Ralf Schumacher zum Beispiel. Der Toyota-Pilot hatte sich gegen Rennmitte hinter dem zu diesem Zeitpunkt führenden Montoya auf Platz zwei vorgekämpft. Bei seinem Boxenstopp ließ Schumacher dann die Regenreifen abmontieren, musste aber nach einer Runde und ein paar Ausrutschern später feststellen: „Wir haben uns zu früh für Trockenreifen entschieden.“ Diese Fehleinschätzung brachte ihm am Ende Rang sieben ein. „Wir dachten, die Strecke würde viel schneller trocknen“, sagte Schumacher. „Na ja, damit lagen wir wohl falsch.“

Zu dieser Erkenntnis hatte sein Bruder Michael schon früher kommen müssen. Er hatte an Position fünf liegend in Runde elf in der Safety-Car-Phase nach dem Unfall des Renault-Piloten Giancarlo Fisichella auf Trockenreifen umgestellt und „es war, als wenn man auf Eis fährt“. Nachdem er seinen Fehler korrigiert hatte, reihte sich der scheidende Weltmeister vor Takuma Sato auf Platz zehn wieder ins Feld ein. Kurze Zeit später beendete der Japaner Schumachers letzte Hoffnungen, seine offensichtlich erhörten Gebete für ein Rennen in feuchten Bedingungen würden ihm ein gutes Resultat bescheren. Der BAR-Honda-Pilot krachte ihm in der 14. Runde ins Heck und sah sich deswegen einem wild gestikulierenden Michael Schumacher ausgeliefert. „Das war mal wieder eine seiner Harariki-Aktionen“, sagte der Deutsche später. „Schumacher hat früher gebremst als sonst“, rechtfertigte sich Sato. Was ihm Schumacher bei seiner Tirade an den Helm geworfen hatte, hatte er angeblich nicht hören können. „Es war einfach viel zu laut“, sagte Sato und grinste schief. Auch Michael Schumacher wollte den genauen Wortlaut nicht wiedergeben: „Das könnten ja schließlich auch Kinder lesen.“

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