Sport : Bis zum nächsten Urteil

Der Streit um die Werbung mit Wetten geht weiter

Steffen Hudemann

Berlin - In der Geschäftsstelle von 1860 München wurde gejubelt über die Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts Bremen. Denn Werder darf weiter mit dem Wettanbieter Betandwin werben. 1860 befindet sich mit dem Freistaat Bayern in ähnlichem Streit. Vor einer Woche musste der Klub Werbung für Betandwin vom Trikot entfernen, nachdem die Bezirksregierung Oberbayern eine Unterlassungsverfügung ausgesprochen hatte. Der Klub will Widerspruch einlegen.

1860-Geschäftsführer Stefan Ziffzer ist nun zuversichtlich. „Wir rechnen jetzt ebenfalls mit der Aufhebung der Verfügung“, sagte Ziffzer auf Nachfrage. Das Bremer Gericht hatte die Verbotsverfügung der Stadt mit deutlichen Worten außer Kraft gesetzt. Die Richter haben keinen Zweifel daran, dass die DDR-Lizenz des Wettanbieters von 1990 – zumindest in Sachsen – gültig ist. Werder dürfe mit einem Produkt werben, das in einem anderen Bundesland erlaubt ist. Das Gericht stört die Doppelmoral des Staates: Dessen Sportwette Oddset habe „in den vergangenen Jahren massiv für ihr Angebot geworben und damit gegen genau die öffentlichen Belange gehandelt, die durch die streitgegenständlichen Verfügungen nun geschützt werden sollen“. Das bayerische Innenministerium sieht sich dennoch im Recht. „Der Jubel des Herrn Ziffzer ist verfrüht“, sagt Sprecher Michael Ziegler. „In erster Instanz gibt es immer mal eine Mindermeinung, die sich austobt.“

So eindeutig sei die Rechtslage keineswegs, sagt der Bonner Rechtsanwalt Rüdiger Bodemann, Spezialist für Sportwetten. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts sei die Unsicherheit gestiegen, zudem seien europarechtliche Fragen ungeklärt. „Die Beteiligten haben aus Karlsruhe Steine statt Brot bekommen“, sagt Bodemann. Auch das Bremer Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Stadt kann binnen zwei Wochen Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht erheben. Sie will bis Ende dieser Woche entscheiden, ob sie das tut.

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