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Nick Heidfeld hat das Rennen um das Cockpit beim Formel-1-Team BMW-Williams gewonnen

Karin Sturm

Nick Heidfeld musste bis zum Schluss bangen. „Als es mir Frank Williams 20 Minuten vor der öffentlichen Erklärung mitgeteilt hat, konnte ich es kaum glauben“, sagte der 27-Jährige. Monatelang war er im Unklaren gewesen, nun hatte er Gewissheit: Nick Heidfeld wird der zweite Rennpilot des BMW-Williams-Teams für die Formel-1-Saison 2005.

Heidfeld erfuhr erst gestern, am Tag der Präsentation des neuen Autos in Valencia, von seinem Glück. „Das ist der große Schritt, den ich mir in den letzten Jahren immer erhofft habe“, sagte Heidfeld. Nach seinen Engagements bei den Teams Prost, Sauber und Jordan hat der frühere Formel-3000-Meister mit dem Einjahresvertrag beim Spitzenteam Williams seine große Chance erhalten. Er bezeichnet sie sogar als „die größte meiner Karriere“.

Bis zum Schluss hatte Teamchef Frank Williams offen gelassen, ob denn nun Heidfeld oder der Brasilianer Antonio Pizzonia das Rennen um das begehrteste noch freie Cockpit der Formel 1 gemacht hatte. „Wir haben viel nachgedacht und abgewogen. Beide Fahrer sind ebenbürtig“, sagte Williams. BMW-Motorsportchef Mario Theissen fügte hinzu: „Die Entscheidung ist erst in letzter Minute gefallen.“

Dass am Ende der Mönchengladbacher neben dem Australier Mark Webber auf der Bühne als zweiter Fahrer vorgestellt wurde, bedeutet auch: In diesem Fall hat sich Leistung gegen Geld und Einflussnahme durchgesetzt. Denn eigentlich hatte sich Frank Williams im Herbst 2004, als die geplante Verpflichtung des BAR-Honda-Piloten Jenson Button platzte, schon mehr oder weniger für Pizzonia entschieden. Der hatte als Testfahrer des Teams in vier Rennen als Ersatzmann für den verletzten Ralf Schumacher gute Leistungen geliefert. Doch durch die unsichere wirtschaftliche Lage bei Jordan war plötzlich auch Nick Heidfeld verfügbar, der als schnell und darüber hinaus technisch versiert gilt. Man vereinbarte Tests, um sich zumindest einmal einen Eindruck zu verschaffen.

Dennoch ging Heidfeld als klarer Außenseiter in den Kampf um das Stammcockpit. Für Pizzonia sprach nämlich vor allem eins: das Geld. Die brasilianische Ölgesellschaft Petrobras hatte eine Erhöhung seines Sponsorenengagements bei Williams um etwa sechs Millionen Dollar versprochen, wenn der Brasilianer Pizzonia 2005 im Rennwagen säße. Heidfeld hatte keinen potenten Fürsprecher, überzeugte aber auf der Strecke: Fast immer erwies er sich im direkten Vergleich als schneller als Pizzonia, außerdem beeindruckte er die Williams-Mitarbeiter mit präzisen technischen Aussagen.

Dass Heidfeld jetzt nach fünf Formel-1-Jahren in unter- bis mittelklassigen Teams endlich in einem Auto sitzt, in dem er Siegchancen hat, motiviert ihn zusätzlich. „Ich habe mich bestens vorbereitet, ich habe den Winter über so hart trainiert wie noch nie“, sagt Heidfeld. „Ich bin sicher, wir können zusammen einiges erreichen. Mein Ziel ist, in Zukunft die WM zu gewinnen. Wann, weiß ich noch nicht.“ Der frühere BMW-Motorsportchef Gerhard Berger hat da schon eine konkretere zeitliche Vorstellung: „Heidfeld könnte die Überraschung des Jahres in der Formel 1 werden.“

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