Sport : Bitte kein Aufbau Ost!

Robert Ide

über das lehrreiche Scheitern des ostdeutschen Sports Die Uhr am Eingang des Leipziger Zentralstadions zählt noch immer die Sekunden bis zur Entscheidung. Am 6. Juli wird das Internationale Olympische Komitee verkünden, welche Stadt die Sommerspiele 2012 austragen darf. Leipzig steht nicht mehr zur Wahl.

Heute vor einem Jahr ist die ostdeutsche Hoffnung auf Olympia gescheitert. Beim internationalen Vorausscheid bezeichnete IOC-Chef Rogge die Messestadt als „zu klein“. Schon vorher hatte Deutschland an den Qualitäten seines Bewerbers gezweifelt und war an den Skandalen der Stadt verzweifelt. Leipzig scheiterte, weil das Land kein Vertrauen fasste – und weil ein sportlicher Aufschwung Ost nicht verordnet werden kann.

Heute wird eine neue Rettungsaktion für den ostdeutschen Sport gestartet. Doch auch vom Ost-Gipfel der deutschen Fußball-Funktionäre in Frankfurt am Main sollte niemand blühende Sportlandschaften erwarten. Bundesliga-Vereine in strukturschwachen Regionen etablieren sich nicht, wenn sie bevorzugt werden. Nur wenn vor Ort solide gewirtschaftet wird, wächst bei einheimischen Talenten und auswärtigen Investoren das Vertrauen in den Standort Ost. Hansa Rostock muss jetzt Spieler verkaufen, um die Lizenz für die Zweite Bundesliga zu erhalten. Den sofortigen Wiederaufstieg kann da niemand garantieren. Dennoch ist dieser Weg richtig.

Ein Jahr nach Leipzigs Niederlage wartet der ostdeutsche Sport weiter auf Siege. In Leipzig steht ein neues Stadion, aber es gibt keinen Verein, der es füllen kann. Die Stadt braucht Zeichen der Ermunterung; das jüngste Gastspiel von Lothar Matthäus war ein erstes. Auf nationale Rettungsaktionen sollte aber niemand hoffen. Vertrauen kann nicht verordnet werden. Das wissen die Ostdeutschen nicht erst seit der Wende.

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