Sport : Bitte keine Fragen stellen

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Andrew Pipe war doch sehr erstaunt über die bizarre Show, der er da am Sonntag in Barcelona gerade beigewohnt hatte. Auf der Pressekonferenz des Schwimm-Weltverbandes Fina sprachen der Präsident Julio Cesar Maglione und Generalsekretär Cornel Marculescu ausschließlich Spanisch und beweihräucherten sich mit den WM-Organisatoren gegenseitig. Dem für die Dopingkontrollen zuständigen Fina-Mann Pipe, des Spanischen nicht mächtig, wurde dabei keine Frage zur Jagd des Verbandes auf betrügerische Schwimmer gestellt.

Später kam Pipe doch noch zum Zug. Auf Englisch beteuerte er, dass die für ihre lasche Antidopingpolitik gescholtene Fina im letzten Jahr tatsächlich die schon 2011 angekündigten biologischen Pässe für Schwimmer eingeführt und in Barcelona während deren Wettkämpfen echte Dopingtests, inklusive der Abnahme von Blut, vorgenommen habe. Wie viele? „80“, meinte Pipe. „Wahrscheinlich.“ So genau wusste er das offensichtlich auch nicht.

Im Land des Dopingarztes Eufemiano Fuentes interessierte das unappetitliche Thema aber auch kaum niemanden. Ebenso wenig wie die Erklärungsansätze für die wundersamen Leistungen der Teenager Missy Franklin (USA) und Ruta Meilutyte (Litauen), die als zuvor unerreichbar geltende Weltrekorde aus Zeiten der Hochgeschwindigkeitsanzüge brachen. Auch künftig sollte man da keine Aufklärung erwarten, weder bei der WM 2015 in Kasan (Russland) noch ein Jahr später bei den Spielen in Rio. Denn Antworten auf unangenehme Fragen, das ist einfach nicht die Spezialität der Fina.

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