Sport : Bitte nicht ducken!

Die Handballer unterliegen Schweden 23:27 und suchen einen neuen Kreisläufer

Erik Eggers[Göteborg]

Nach dem Gewinn der olympischen Silbermedaille in Athen ist Christian Schwarzer zurückgetreten. Doch der bullige Kreisläufer vom TBV Lemgo ist auch beim World Cup in Schweden noch immer präsent, obwohl sein 302. Handball-Länderspiel zum Abschied in Kiel für ihn auch das letzte geblieben ist. Dennoch, beim derzeit laufenden Test von Bundestrainer Heiner Brand hat es ganz den Anschein, dass sich die Kandidaten für die Nachfolge geradezu vor der glorreichen Karriere Schwarzers ducken. Das wurde gestern erneut deutlich, beim 23:27 (11:13) im Halbfinale des World Cups. Deutschland trifft nun heute im Spiel um Platz drei auf Frankreich, das Dänemark 25:26 (13:11) unterlag.

Die deutschen Auswahl gelang lediglich beim 4:3 eine Führung. Nach dem Wechsel brach das junge Team dann aber ein. „Schweden ist eine absolute Weltklasse-Mannschaft und ein echter Prüfstein für mein junges Team“, sagte Brand vor der Partie und testete nach dem Wechsel, wie sich die jungen Leute schlagen. Dabei wurde schnell deutlich, dass dem Team ein Führungsspieler fehlt. Die Gastgeber brauchten nicht zu zaubern, um das Finale am Sonntag gegen Dänemark zu erreichen. Die Entscheidung fiel Mitte der zweiten Halbzeit. Auf 18:19 (46.) waren die Deutschen gerade herangekommen, verpassten jedoch die großen Chancen zum Ausgleich. Stattdessen zogen die Gastgeber auf 22:18 davon (50.).

Es fehlte gegen Schweden nicht nur ein herausragender Regisseur im Aufbauspiel, sondern eben auch einer vom Format Schwarzers am Kreis. Zwar war der Kieler Sebastian Preiß mit sechs Treffern der erfolgreichste Werfer, aber zu internationaler Klasse fehlt ihm noch einiges. Es bleibt dabei, Schwarzer hinterlässt die wohl größte Lücke. Auf dieser Position, auf der Handball am meisten schmerzt, „ist der Qualitätsverlust beim Neuaufbau sicher am größten“. Andererseits will der Bundestrainer nicht zu viel Druck aufbauen für die potenziellen Nachfolger Preiß, 23 Jahre, Jens Tiedtke, 25 Jahre, und Christoph Theuerkauf, 20 Jahre. „Selbst Schwarzer hat nicht immer dieses hohe Niveau gespielt“, weiß Brand – und billigt daher den Novizen Fehler zu, wenn das Engagement stimmt. „Am weitesten von den dreien ist sicherlich Preiß“, sagt er, und das gilt für den Angriff wie für die Abwehr. Dem Kieler gelang bereits beim Turnierauftakt gegen Island mit sechs Treffern eine hoffnungsvolle Leistung.

Aber Preiß möchte nicht mit Schwarzer verglichen werden: „Jeder steht da für sich“, sagt der gebürtige Würzburger, der im Sommer nach Lemgo wechseln wird – zu Schwarzers Klub. Dort will er vor allem seine Schnelligkeit beim Übergang von Abwehr auf Angriff verbessern, „das Spiel schneller lesen und ausgebuffter am Kreis werden“. Er kennt seine Defizite, ohne dass es ihm an Selbstbewusstsein mangelt. In neun Wochen, wenn in Tunesien die WM ansteht, wird Preiß dabei sein. Erst der weitere Saisonverlauf und die WM-Vorbereitung mit sechs Länderspielen im Januar wird entscheiden, wer neben Preiß die schwere Aufgabe bekommt, das Erbe von Schwarzer anzutreten. Es wird für alle schwer.

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