Sport : Bitte nicht platzen

Formel 1: Pirelli bringt neue Reifen zum Ring.

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Berlin - Nach dem Drama von Silverstone wird der Hersteller Pirelli neue Reifen beim Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring an den Start bringen. Dabei kommt an diesem Wochenende in der Eifel jener Prototypenreifen zum Einsatz, der bereits in den Trainings in Kanada und England getestet wurde. Ab dem folgenden Rennen in Ungarn gibt es dann völlig neue Reifen, eine Kombination aus den Typen von 2013 und 2012.

Beim Grand Prix von Großbritannien waren fünf Reifen regelrecht explodiert. Darauf entbrannte eine Sicherheitsdebatte unter den Fahrern, die auch am Mittwoch noch andauerte. Auch ein möglicher Boykott des Rennens in Deutschland ist noch nicht vom Tisch. „Wenn die Situation so ist, wie sie in Silverstone war, wäre es nicht möglich zu fahren“, sagte der Ferrari-Pilot Fernando Alonso.

Um dies zu verhindern, kommt auf dem Nürburgring ein umgebauter Hinterreifen zum Einsatz, bei dem der Stahlgürtel im Inneren des Reifens durch eine Kunststoff-Struktur ersetzt wird. Das soll die Temperaturen niedriger halten und mehr Stabilität bringen. Eigentlich hatte Pirelli diese Version schon in England einsetzen wollen, das war aber am Veto der Teams Lotus, Ferrari und Force India gescheitert, die einen Wettbewerbsnachteil fürchteten. Nach den Reifenplatzern machten sie alle kleinlaut einen Rückzieher. Um solche Situationen künftig zu vermeiden, hat der Automobil-Weltverband Fia nun angekündigt, in Reifenfragen das Einstimmigkeitsprinzip bei Änderungen zu kippen, so dass Pirelli nun eigenständig handeln kann.

In der Analyse der Ereignisse von Silverstone kam Pirelli im Übrigen zu dem Schluss, dass kein grundsätzliches Sicherheitsproblem der Reifen vorgelegen hätte, sondern dass die Teams sie schlicht falsch benutzt hätten. So hätten alle, aber auch Pirelli selbst, die Effekte des sogenannten „Reifentauschens“ unterschätzt. Das Wechseln bereits gebrauchter Reifen von links nach rechts und umgekehrt war bisher bei einigen Teams eine gängige Praxis, um die Leistung zu verbessern, laut Pirelli aber wegen des asymmetrischen Aufbaus einer der Hauptgründe für die Schäden. Am Nürburgring ist das jetzt streng verboten, die neuen Reifen ab Ungarn sollen dann völlig symmetrisch aufgebaut und problemlos wechselbar sein.

Zudem haben sich laut Pirelli einige Teams nicht an die Vorgaben gehalten und sind mit zu niedrigem Reifendruck und zu großem Sturz (Auflagewinkel des Reifens auf der Fahrbahn) gefahren. „Ich möchte noch einmal betonen, dass unser Produkt, die 2013er Reifen, bei ordentlicher Nutzung, komplett sicher ist“, sagte Pirellis Motorsportchef Paul Hembery. Doch um weiteres Drama abzuwenden, „werden wir neue Reifen einführen, die leichter zu handhaben sind“. Karin Sturm

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