Sport : Bitte nicht stören!

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Bis zu diesem Spiel war der Traum der Fußball-Nation der Titelgewinn. Doch nach den Experimenten des Bundestrainers wendet sich die Stimmung endgültig gegen ihn. Es ist nicht 2011, sondern 2006, die Weltmeisterschaft steht an. Die „Bild“-Zeitung findet im Bundestag sogar ein paar Hinterbänkler, die Jürgen Klinsmann einbestellen wollen. Er soll den Politikern erklären, wie es zum desaströsen 1:4 gegen Italien kommen konnte. Dort hätte er sagen können, dass er seine Verteidiger an die Mittellinie aufrücken und das schnelle Umschaltspiel hatte üben lassen, doch für eine sachliche Debatte war die nationale Aufgeregtheit viel zu groß.

Seitdem hat sich viel geändert. In Kiew sah die deutsche Abwehr gegen einen Gegner von geringerem Ruf als Italien ähnlich schlecht aus wie damals und kassierte, ebenfalls wie damals, drei Tore in einer Halbzeit. Na und? Auch wenn Löws Mannschaft kein Unentschieden gegen die Ukraine mehr erreicht hätte, würde in Deutschland weiter der EM-Titel erhofft werden. Selbst nach zwei Niederlagen stünde Löw nicht zur Debatte.

Zwar wies der Bundestrainer nach dem Spiel sicherheitshalber mehrfach darauf hin, dass er personell und taktisch Verschiedenes ausprobiert habe. Doch vielleicht hätte er das gar nicht tun müssen, denn Verständnis und Einsicht beim Publikum dafür sind inzwischen ungleich größer als im März 2006. Das liegt an dem Stellenwert, den sich Löw und die Mannschaft in den vergangenen Jahren mit ihren Leistungen bei den großen Turnieren erarbeitet haben. Jetzt wird mehr an den Titel geglaubt als von ihm geträumt.

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