Sport : Bitte, Trainer, nimm mich nicht

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Benedikt Voigt über die Nationalelf

der Daheimgebliebenen

Puh, das war knapp. Einen Tag später – und Jörg Heinrich hätte das Flugzeug besteigen müssen, das die 23 gesündesten Fußballspieler Deutschlands ins Land der Fußball-Weltmeisterschaft befördert. Gerade noch rechtzeitig vor dem Abflug kam der Dortmunder zu der Einsicht, es sei wohl besser für alle Beteiligten, wenn er zu Hause bliebe. „Ich muss nach den letzten Vorbereitungsspielen selbstkritisch eingestehen, dass ich in meiner derzeitigen Form keine Hilfe für die Nationalmannschaft sein kann“, sagte Heinrich. So viel Ehrlichkeit ehrt den Abwehrspieler, doch es könnte sich auch um eine Vorsichtsmaßnahme handeln. Im Moment sieht es nämlich danach aus, als könnte eine Teilnahme an der Fußball-WM 2002 im Trikot der deutschen Nationalmannschaft nicht eben förderlich sein für die Karriere. Einige der besten Kicker Deutschlands bleiben verletzungsbedingt zu Hause: Mehmet Scholl, Jens Nowotny, Christian Wörns, Sebastian Deisler. Da ist es gar nicht verkehrt, sich in die Nationalelf der Daheimgebliebenen einzureihen.

Was auch immer Heinrich zum Verzicht bewog, die schlechteste Figur bei dieser Angelegenheit gibt der Teamchef ab. Ist es nicht seine Aufgabe, die Spieler zu finden, die der Mannschaft bei der WM helfen können? Gehört es nicht zu Rudi Völlers Kompetenz, in Training und Vorbereitungsspielen gegen Wales und Österreich zu erkennen, wie schlecht es um Heinrichs Form und Motivation bestellt ist? Was sagt das über einen Trainer aus, wenn erst der Spieler erklären muss: Bitte, Trainer, nimm mich nicht mit?

Und nun hat Völler das nächste Problem: die Nachrücker Jörg Böhme und Lars Ricken. Beide sollen bei der Weltmeisterschaft unter einem Teamchef spielen, der sie vor zwei Wochen enttäuscht hatte, weil er sie zunächst nicht für den 23er Kader berücksichtigte. „Die Begleitumstände sind alles andere als glücklich“, sagte Lars Ricken. Das kann inzwischen für die gesamte Vorbereitung der Nationalmannschaft gelten.

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