Sport : Bitte weiträumig umfahren

Mathias Klappenbach

Roberto Heras? Hat vier Mal die Spanien-Rundfahrt gewonnen, aber der Sieg vom vergangenen Jahr wurde ihm wegen Dopings aberkannt. Ivan Basso? Siegte beim Giro d’Italia im Mai, steht aber unter dringendem Verdacht und ist suspendiert. Floyd Landis? Positiv getestet bei seinem Tour-Sieg. Die Sieger der letzten drei großen Landesrundfahrten im Radsport sind eng mit Doping verbunden. Wer will da überhaupt noch gewinnen, selbst wenn er sauber sein sollte? Heute startet die Vuelta, das hat in den vergangenen Jahren schon nicht mehr viele Leute außerhalb Spaniens interessiert, weil sich die einstmals große Rundfahrt aus verschiedenen Gründen zu einer besseren Landesmeisterschaft entwickelt hatte.

In diesem Jahr aber wird die Vuelta als letzte Chance für einen Neuanfang verkauft, bei dem sich die übrig gebliebenen Stars in den Vordergrund fahren können. Fahren könnten, muss man sagen, denn das Team T-Mobile beispielsweise reist mit Bernhard Kohl als Kapitän an. Wenn Sie den Österreicher nicht kennen – macht nichts. Bislang hat er nicht als Rundfahrtspezialist auf sich aufmerksam machen können. Seine besten Fahrer wie Andreas Klöden, Matthias Kessler oder Patrik Sinkewitz lässt T-Mobile lieber bei der Drei-Länder-Tour durch Thüringen, Hessen und Baden-Württemberg radeln. Für die Reputation scheint es derzeit besser zu sein, nicht durch das Land zu fahren, in dem der große Dopingskandal aufgedeckt wurde und in dem unvermindert hartes Durchgreifen der Behörden zu erwarten ist. Von einem Neuanfang ist der Radsport nach wie vor weit entfernt.

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