Sport : Bittere Pillen

Die Zahl der Dopingfälle in Deutschland geht zurück, aber der Kampf gegen den Betrug im Sport macht kaum Fortschritte

Friedhard Teuffel

Berlin - Veranstaltungen zum Doping in Deutschland haben derzeit einen unsichtbaren Teilnehmer. Es ist der ehemalige Leichtathletiktrainer Thomas Springstein, der sich gerade vor dem Amtsgericht Magdeburg verantworten muss. Die Polizei hatte bei ihm E-Mails gefunden, in denen Gen-Doping erwähnt ist und die Hinweise geben auf internationale Doping-Netzwerke. Auch als die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) gestern in Berlin ihre Jahresbilanz vorstellte, bestimmte Springstein damit die Tagesordnung. Es spielte jedenfalls kaum eine Rolle, dass die Zahl der positiven Dopingfälle in Deutschland im vergangenen Jahr von 72 auf 67 zurückgegangen.

R. Klaus Müller, der Leiter des Doping-Kontrolllabors Dresden, sollte daher auch etwas über die Fortschritte des Gen-Dopings berichten. „Dass Gen-Doping überhaupt schon erwähnt ist, zeigt, wie hoch die Risikobereitschaft im Sport schon ist“, sagte er. Schließlich seien genverändernde Präparate bisher nur im Tierversuch erprobt worden. Auf den Einsatz von Gen-Doping seien die Doping-Bekämpfer jedoch gut vorbereitet: „Es ist eine Vorwärtsstrategie, die mit viel Aufwand betrieben wird. Schon jetzt finden Forschungen zu Nachweisverfahren von Gen-Dopingmitteln statt.“ Überhaupt wehrte sich Müller gegen die Darstellung, die Betrüger seien den Dopingfahndern immer einen Schritt voraus. „Das trifft nicht den Charakter des Anti-Doping-Kampfes.“

Es gibt allerdings zwei unterschiedliche Wahrnehmungen zum Doping. Müllers Optimismus ist die eine. Dem steht der Realismus der Nada gegenüber. Deren Geschäftsführer Roland Augustin sagte: „Wir haben es mit internationalen Netzwerken von Trainern und Athleten zu tun und wir laufen denen immer einen Schritt hinterher.“ Die Jahresbilanz der Nada zeigte zum wiederholten Male die Lücken bei der Doping-Bekämpfung auf. Das Doping mit eigenem Blut, um die Ausdauer zu erhöhen, ist immer noch nicht nachweisbar, Tests auf Doping mit Fremdblut werden im Moment nur von drei Laboren weltweit durchgeführt, wie Augustin sagte. Auch gibt es für das Wachstumshormon noch kein Verfahren, das von einem Gericht anerkannt würde.

In der Jahresbilanz der Nada taucht kein einziger positiver Fall des populären Blutdopingmittels Erythropoietin (Epo) auf. Ein Erfolg? Nur zehn Prozent der Dopingproben werden auch auf Epo untersucht. „Das ist vor allem eine Kostenfrage. Ein Epo-Test kostet zwischen 150 und 200 Euro, so viel wie ein Test auf das ganze Spektrum“, sagte Wilhelm Schänzer, Leiter des Doping-Kontrolllabors Köln. „Es wären Zufallsfunde“, sagte Augustin zum Kampf gegen Epo. Das liege auch an der Zahl der Trainingskontrollen. Auf mehr als 10 000 zu kontrollierende Athleten kommen in Deutschland jedes Jahr nur 4500 Trainingskontrollen.

Trotz dieser ernüchternden Bilanz haben sich die Doping-Bekämpfer hohe Ziele gesetzt. „Die Nada soll die dritte Säule im deutschen Sport werden neben Deutschem Olympischen Sportbund und Deutscher Sporthilfe“, sagte Michael Hölz, der Kuratoriumsvorsitzende der Nada. Mit einer Präventionskampagne will die Nada nun vor allem junge Athleten und Trainer erreichen.

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