Sport : Bizarre Feier

Bremen bejubelt einen Deutschen Meister, der gegen Bayer Leverkusen mit 2:6 untergeht

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Als um 17.30 Uhr der grinsende Rudi Völler aus den Katakomben der Ostkurve heraustrat, die silbrigglänzende Meisterschale in beiden Händen, da erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Der Beifall im Weserstadion schwoll zum Orkan an, anschließend spielte sich endlich das ab, worauf ganz Bremen an diesem Tag einzig gewartet hatte: Werder-Kapitän Frank Baumann übernahm von Völler, dem ehemaligen Werder-Spieler, die Meisterschale. Kanonen katapultierten grün-weißes Konfetti in die Luft, und aus den Lautsprechern dröhnte „We are the champions.“ Danach wollte die Begeisterung kein Ende nehmen: Johan Micoud küsste die Schale, Ivan Klasnic brachte sie zum abseits stehenden Trainer Thomas Schaaf, Ailton lief mit Tränen in den Augen eine Ehrenrunde.

Immer wieder grölten die Anhänger den Werder-Song „Das W auf dem Trikot“, vor allem einen Vers: „Jahre voller Frust, Werder wir kommen wieder.“ Die vierte Meisterschaft, „sie ist eine besonders schöne Geschichte“, wie Schaaf findet. Das nach 23 Bundesligaspielen ohne Niederlage eher unschöne Ergebnis selbst geriet zur Nebensache: Mit 2:6 ließen sich die Bremer von Bayer Leverkusen demütigen, doch übel genommen hat das dem Meister im Weserstadion niemand.

Das Spiel trug neunzig Minuten lang recht bizarre Züge. Das Party-Team hatte sich komplett die Haare in Grün-Weiß-Orange getüncht, und auch ansonsten waren vom Feier-Marathon noch deutliche Spuren zu entdecken. Bereits nach 21 Minuten führte der clever konternde Champions-League-Anwärter nach zwei Toren von Franca und Bierofkas Treffer mit 3:0. Nur in der Viertelstunde nach der Pause spielte der Meister den bekannten Champagner -Fußball – prompt glückten Krstajic und Ailton zwei Tore. Doch dann zerfiel – zuvorderst Bremens Abwehr – wieder in alle Einzelteile. Franca, Berbatow und Neuville schraubten das Resultat auf 6:2.

„Haarefärben allein schießt keine Tore“, sagte Geschäftsführer Klaus Allofs. Im Hinblick auf das DFB-Pokalfinale gegen Alemannia Aachen empfand er die Niederlage als heilsam. Doch das sportliche Versagen war schon nach Abpfiff kein Thema, nicht einmal für den kritischen Trainer Schaaf. Seine Analyse passte zur Freudenatmosphäre: „In der ersten Halbzeit waren wir beim Feiern. In der zweiten Halbzeit sind wir für zehn Minuten kurz aus dem Tanzssaal rausgekommen und haben Fußball gespielt, dann hat uns irgendjemand da wieder reingezogen.“ So schnell kommen die Spieler dort nicht mehr raus: Heute Mittag werden die Helden in Cabrios durch die Stadt chauffiert, um sich sodann von rund 20 000 auf dem Marktplatz feiern zu lassen.

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