Sport : BKA sucht in Freiburg Dopingspuren

Razzia bei früheren Teamärzten von T-Mobile

Freiburg/Berlin - Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA) haben am Mittwoch die Arbeitsplätze in der Universitätsklinik Freiburg und die Wohnungen der beiden ehemaligen T-Mobile-Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid durchsucht. Die Aktion erfolgte wenige Tage nach dem Doping-Geständnis des ehemaligen T-Mobile-Profis Patrik Sinkewitz vor dem Bundessportgericht des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Den bereits von T-Mobile suspendierten Heinrich und Schmid wird vorgeworfen, Radsportler gedopt zu haben. Die beiden Ärzte waren auch von der Uniklinik Freiburg suspendiert worden.

Den Auftrag für die Durchsuchung hatte die Staatsanwaltschaft Freiburg erteilt. Sie hat ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden Ärzte wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz eingeleitet. „Ich halte die Aktion für mehrere Wochen zu spät“, sagte der Anti-Doping-Aktivist Werner Franke, der schon im Mai Strafanzeige gegen Schmid und Heinrich gestellt hatte, „aber es ist ein wichtiger Schritt, und das BKA hat schon mehrfach durch Professionalität überrascht.“

Der des Testosteron-Dopings überführte Sinkewitz hatte vor dem BDR-Sportgericht ausführlich über die Verabreichung von Dopingmitteln durch Ärzte unter anderem beim Team T-Mobile im Jahr 2006 ausgesagt. Dabei soll es sich unter anderem um Eigenblutdoping gehandelt haben. Daran soll auch die sportmedizinische Abteilung der Uniklinik Freiburg direkt beteiligt gewesen sein. Werner Franke empfiehlt daher, auch das technische Personal als Zeugen zu befragen: „Das Blut wird erst abgenommen, dann gekühlt gelagert und vor der Verabreichung wieder aufgewärmt. Diese Aufgaben haben sicher nicht die Ärzte übernommen, sondern technisches Personal.“

Das 15-seitige Protokoll der Sinkewitz-Anhörung hatte der Sportgerichts-Vorsitzende Peter Barth „vor ein paar Tagen an das BKA weitergeleitet“. BKA-Beamte, Freiburger Polizisten und Mitarbeiter der örtlichen Staatsanwaltschaft suchten am Mittwoch nach Rechnungen, Lieferscheinen, Patientenakten sowie Unterlagen, die Anhaltspunkte zum Eigenblutdoping geben.

„Interessant sind auch Aufzeichnungen über die Lagerung und Verwendung von Blutbeuteln sowie Computerfestplatten“, sagte der Pressesprecher der Freiburger Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier. Laut Maier hatte die Staatsanwaltschaft bereits im Juli beim Amtsgericht Freiburg einen Durchsuchungsbefehl beantragt. Der war mit der Begründung zurückgewiesen worden, die zunächst erhobenen Dopingvorwürfe gegen die beiden Ärzte seien verjährt. „Der jetzige Durchsuchungsbefehl wurde am vergangenen Freitag erlassen“, sagte Maier. dpa/teu

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