Update

Blamage im Eishockey : Deutsche Nationalmannschaft verpasst erstmals Olympia

Cordoba in Bietigheim: Trotz des 3:2-Siegs nach Verlängerung gegen Österreich verpasst das deutsche Eishockey-Team erstmals seit 1948 die Teilnahme an den Olympischen Spielen.

Österreichs Florian Iberer (l.) und der Deutsche Andre Rankel im Zweikampf.
Österreichs Florian Iberer (l.) und der Deutsche Andre Rankel im Zweikampf.Foto: dpa

Es war ein geradezu absurdes Bild, das sich auf dem Eis von Bietigheim-Bissingen ergab. Deutschland hatte gerade das Siegtor zum 3:2 nach Verlängerung geschossen. Und wer feierte? Die Österreicher. Sie werden trotz der Niederlage gegen die deutsche Eishockeynationalmannschaft bei den Olympischen Spiele im kommenden Jahr dabei sein. Österreich, nicht Deutschland, der große Favorit beim Qualifikationsturnier für Sotschi. Eine Sensation – im negativen Sinne für die Deutschen.

Erstmals in der Geschichte des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB) hat sich ein Männerteam nicht für Olympia qualifiziert. Um zum 17. Mal auf der größten Sportbühne der Welt aufzutreten, hätten die Deutschen am Sonntag im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Österreich nach regulärer Spielzeit gewinnen müssen. Stattdessen rettete sich die Mannschaft von Trainer Pat Cortina mit 2:2 nach 60 Minuten nur in die Verlängerung. Vorbei, die Qualifikation. Olympia ohne deutsche Eishockeymänner: Das hat es seit 1948 nicht mehr gegeben. Vor 65 Jahren war Deutschland jedoch aus politischen Gründen nicht angetreten.

Dabei waren die Deutschen gegen Österreich überlegen. Schnörkellos und taktisch deutlich disziplinierter als in den Partien zuvor traten sie auf, ließen aber erneut viele Chancen aus. Die Tore von Benedikt Kohl und Kapitän Michael Wolf reichten nicht. Denn letztlich wurden die Deutschen damit nur Zweiter – hinter Österreich und vor Italien. Dass Deutschland am Ende in der Verlängerung noch mit 3:2 (1:0, 0:1, 1:1/1:0) gewann, war bedeutungslos – und lieferte maximal Kuriositäten. Als die Nationalhymne für den Sieger der Partie erklang, weinten einige deutsche Profis oder starrten mit fahlen Gesichtern ins Nichts. Vor dem Turnier war das kaum vorstellbar, auch nicht für die Beteiligten. „Olympia ist ein Muss“, hatte der Bundestrainer im Interview mit dem Tagesspiegel gesagt.

Trotzdem wird Cortina seinen Job wohl behalten. „Ja, jetzt spielen wir erstmal die WM im Mai“, sagte der Präsident des DEB, Uwe Harnos, auf die Frage, ob man trotz des Scheiterns weiter mit Cortina arbeiten werde. Und auch der Coach ließ keinen Zweifel an seinen Ambitionen: „Ich habe ja einen Vertrag und bin froh, hier zu sein.“ Der Italo-Kanadier hatte den Job als Nationaltrainer erst in dieser Saison übernommen – und bekam vom Verband einen Vertrag über drei Jahre. Wie es mit dem deutschen Eishockey insgesamt weitergeht, ist dagegen fraglich. Drei Jahre nach der grandiosen Heim-WM mit Platz vier und dem historischen Sieg gegen den Rekordweltmeister Russland 2011 hat es einen historischen Tiefpunkt erreicht. „Bei Olympia musst du dabei sein, sonst bist du keine richtige Sportart“, sagte DEB-Generalsekretär Franz Reindl. „Nirgends hast du mehr Fernsehpräsenz.“ Nicht nur der Imageverlust ist enorm, auch die finanziellen Folgen treffen den wirtschaftlich nicht gerade gut ausgestatten Verband hart. Es droht eine Kürzung der öffentlichen Förderung, und auch die Sponsorensuche für die Nationalmannschaft wird künftig schwieriger.

Eishockey gilt bei Winterspielen als bedeutendste Sportart. Deutschland wird in dieser Disziplin nun nur noch durch die Frauen vertreten. Sie haben ihr Qualifikationsspiel gegen Tschechien gewonnen und dürfen nach 2002 und 2006 zum dritten Mal antreten bei Olympischen Spielen. (Tsp/dpa)

6 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben