Sport : Blatter attackiert Johansson

Der Chef des Fußball-Weltverbandes Fifa, Joseph Blatter, kämpft um Amt und Ruf. Vor dem Krisengipfel der Verbandsspitze in dieser Woche in Zürich hat der 66-jährige Schweizer Vorwürfe der Bestechung zurückgewiesen. Zugleich beschuldigte er den bei der Präsidentenwahl vor vier Jahren unterlegenen Präsidenten des europäischen Verbandes Uefa, Lennart Johansson, als Drahtzieher der "Diffamierungs- und Destabilisierungskampagne" gegen seine Person. In der vergangenen Woche hatten die somalischen Fußball-Funktionäre Farah Addo und Mohiadin Hassan Ali Bestechungsvorwürfe gegen Blatter erhoben. Für ihre Stimme bei Blatters Wahl 1998 sei ihnen und anderen Delegierten Geld geboten worden.

Der Uefa-Präsident hat die von Blatter an ihn gerichteten Vorwürfe zurückgewiesen. Er verstehe nicht, warum der Schweizer ihn beschuldige, sagte Johansson der Schweizer "Sonntagszeitung". "Ich habe persönlich Blatter nie vorgeworfen, er sei schuldig und habe das entsprechende Geld gezahlt." Aber er fügte an: "Wir können die Sache nicht einfach auf sich beruhen lassen." Deswegen werde es jetzt eine Untersuchung geben.

"Johansson ist Präsident der Uefa, er könnte ja die Angriffe gegen meine Person stoppen", hatte Blatter in einem Interview mit dem Schweizer "Tagesanzeiger" gesagt. "Es scheint, dass meine Gegner keinen fähigen Kandidaten für die Wahl des Fifa-Präsidenten am 29. Mai in Seoul haben. Deshalb machen sie alles dafür, um mir mein Amt zu verleiden." Und weiter: "Sie hoffen wohl, dass ich mich aus freien Stücken zurückziehe." Davon sei er weit entfernt. Er sei von über 100 Landesverbänden zur Wiederwahl angemeldet worden. Rund 120 der 204 Landesverbände, darunter auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB), hätten ihm schriftlich mitgeteilt, "dass sie sich meine Person als Präsident wünschen". Besonders seit Donnerstag, als die Vorwürfe gegen ihn in der englischen Zeitung "Daily Mail" publik wurden, habe er "viele positive Reaktionen aus den Landesverbänden bekommen, gerade aus Afrika".

Seine Kritiker forderte Blatter auf, bis zum Anmeldeschluss am 28. März selbst einen Bewerber zu benennen: "Sie sollen ihren Mann anmelden, anstatt zu versuchen, den bis dahin einzigen Kandidaten kaputtzumachen. Das bringt kein Glück."

Blatter dementierte auch, dass sein Wahlkampf von Mohammed Bin Hamann aus Katar finanziert worden sei. "Das trifft nicht zu. Ich habe meinen Wahlkampf selber bezahlt." Zudem stellte er die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen in Frage: "Farah Addo ist Verbandspräsident von Somalia und eine zwielichtige Gestalt."

Durch die jüngsten Ereignisse gewinnt die ohnehin brisante Sitzung der Fifa-Exekutive von Donnerstag bis Samstag zusätzlichen Zündstoff. Denn dann sitzen die Hauptpersonen des Machtkampfes - von Blatter über Johansson und Bin Hamann bis zu den möglichen Gegenkandidaten Issa Hayatou (Kamerun) und Chung Mong-Joon (Südkorea) - letztmals vor dem Wahl-Kongress am 28. Mai an einem Tisch.

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