Sport : Blatter kündigt eigenes Dossier an

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Zürich (dpa). Joseph Blatter hat Zahlungen an das russische Exekutivmitglied Wjatscheslaw Koloskow und an Schiedsrichter Lucien Bouchardeau (Niger) eingeräumt und ein baldiges Dossier zu seiner Verteidigung angekündigt. „Ich weise den Vorwurf der Korruption, ebenso der Misswirtschaft und der Verschleierung zurück“, sagte der umstrittene Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) am Dienstag in Zürich. „Ich habe keine Statuten verletzt und keine Akten verschwinden lassen.“ Koloskow und Bouchardeau hätten die Gelder für geleistete Arbeit beziehungsweise aus humanitären Gründen erhalten.

Vor dem Wahl-Kongress der Fifa am 29. Mai in Seoul ist der Walliser sichtlich um Verteidigung bemüht. Sein schriftlicher Konter auf das Aufsehen erregende Dossier seines Generalsekretärs Michel Zen-Ruffinen, der seinen Chef vor der Weltöffentlichkeit angeklagt hatte, lässt allerdings noch auf sich warten. Blatter will das Geheimnis um seine Verteidigungsstrategie offenbar erst kurz vor der Wahl des Fifa-Präsidiums lüften, um der Opposition um den Uefa-Vorsitzenden Lennart Johansson (Schweden) und Herausforderer Issa Hayatou (Kamerun) nicht mehr Zeit zur öffentlichen Kritik zu geben.

Nach außen hin gelassen reagierte Blatter auf die von fünf Vizepräsidenten und weiteren sechs Mitgliedern des Exekutivkomitees am Freitag in Zürich eingereichte Klage: „Eine Anzeige ist noch keine Klage. Anzeigen kann jeder.“ Bitter beklagte er sich noch einmal über seinen einstigen Zögling Zen-Ruffinen, der jahrelang systematisch Dokumente gesammelt habe, um sie jetzt öffentlich zu machen. Die Beweise des Juristen und früheren Schiedsrichters seien jedoch „ungenau und unklar, teilweise beweisen sie sogar das Gegenteil“. Er könne aber unmöglich aus dem Stand heraus auf ein so umfangreiches Dossier antworten. Seine schriftlichen Ausführungen befänden sich in Arbeit und seien in erster Linie für das Exekutivkomitee und die nationalen Verbände bestimmt.

Blatter räumte ein, dass die Führungskrise bei der Fifa „dem Fußball und auch der Weltmeisterschaft geschadet hat. In 17 Tagen beginnt die WM und niemand spricht über die WM. Das ist schade.“

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