Sport : Blau bremst Silber aus

Hartmut Moheit

In der Formel 1 herrscht zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes derzeit BurgfriedenHartmut Moheit

Für Norbert Haug war nicht Rot die Farbe des Tages, sondern Blau. Der Mercedes-Sportchef gratulierte natürlich Michael Schumacher und Ferrari fair zum Sieg beim Großen Preis von Europa, kritisierte aber im selben Atemzug das Verhalten einiger Fahrer gegenüber seinem Star Mika Häkkinen. Als nämlich der Titelverteidiger aus Finnland zum Ende des sechsten WM-Laufes in der Formel 1 bis auf 5,9 Sekunden an den Ferrari herangekommen war, damit genau 302 Meter hinter ihm lag, blieb er im Überrundungs-Stau förmlich stecken. "Viel zu spät wurde da mit Blau signalisiert, dass Mika vorbeigelassen werden muss", monierte Haug. "Das war unfair, den Fans wurde damit ein spannendes Finale genommen."

Konsequenzen des Motorsport-Weltverbandes Fia wird es nicht geben. Blau, das zwingende Signal für den zu Überholenden zum Platzmachen, ist nun mal auch ein "Gummi-Paragraph". Schließlich trifft es im Verlaufe einer langen WM-Saison mit 17 Rennen nicht nur Häkkinen. Später befand Norbert Haug auch: "Vielleicht hätten wir etwas mehr Druck machen müssen, aber Mika hat gezeigt, dass er das Tempo mitgehen kann."

Ob nun die blauen Signale, das Aquaplaning im tückischen Regenrennen in der Eifel oder die erdrückende Überlegenheit von Schumacher und Häkkinen, der Nürburgring hinterließ weitere Spuren. Ferrari und McLaren-Mercedes gehen auffällig locker miteinander um. Michael Schumacher und David Coulthard haben sich plötzlich wieder sehr viel zu sagen. Der Deutsche versorgt seine Gegner auch schon mal mit Kuchen, und das gemeinsame Lachen begleitet plötzlich ihre Auftritte. Oder wann hat es das je gegeben, dass Michael Schumacher sogar mit seinem schärfsten WM-Widersacher Mika Häkkinen auf den Sieg anstößt? Bei einer spontanen Party im Zelt von Bernie Ecclestones Chefkoch Karlheinz Zimmermann genehmigten sich die beiden Doppel-Weltmeister ein Bierchen. Vergessen war die Rivalität. Als sich dann auch noch Corinna Schumacher und Erja Häkkinen dazu gesellten, wurde aus der feucht-fröhlichen Runde sogar ein Familientreffen. Wer auf diese Weise miteinander umgeht, der verarbeitet auch kritische Situationen in der Zukunft ganz anders.

Selbst die Gerüchteküche findet derzeit nur sehr wenig Resonanz. Die Stars reagieren bei den "Neuigkeiten" über sie gelassen, was ganz entscheidend zur Beruhigung beiträgt. So konnte am Nürburgring mit Verblüffung - oder auch nicht - beobachtet werden, dass der angeblich rennmüde Häkkinen ganz und gar nicht dem Klischee eines baldigen Formel-1-Rentners entsprach. Der sonst leicht unterkühlte Mann aus dem Norden Europas wirkte eher entspannt. "Der zweite Platz ist für mich keine Katastrophe", versicherte er. Wichtig für ihn war, dass er im Rennen wieder verdammt schnell unterwegs sein konnte. In einigen Runden schaffte er sogar die Bestzeiten.

Ferrari, McLaren-Mercedes und dann kommt lange nichts. Die Übermacht der beiden Teams ist erdrückend. Bis zu 13,35 Millionen an den Bildschirmen erlebten die Formel 1 als Mehrklassen-Gesellschaft. Selbst das Finale in der Fußball-Bundesliga wurde mit dieser Quote bei weitem übertroffen. Der Zweikampf zwischen Rot und Silber polarisiert von Rennen zu Rennen mehr. Auch ohne Skandale oder die lauten Töne untereinander. Wenn in der Eifel das Blau für etwas Aufregung sorgte, die Zeichen für eine spannende Saison stehen auf Grün.Formel 1 im Internet:

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