Sport : Blaues Kleid mit Sternen

Jennifer Capriati erobert in New York die Herzen der Fans

Matthias B. Krause

New York. Selbst wenn Jennifer Capriati die US Open gewinnt, könnte ein seltsamer Beigeschmack bleiben. Die US-amerikanische Tennisspielerin sagt:„Wer immer den Titel gewinnt, wird ein Sternchen bekommen, das sagt: ,Oh, aber die Williams-Schwestern waren nicht dabei.’“ Die Zeit jedoch werde diesen Makel korrigieren. „Niemand wird sich in zehn Jahren noch an die Fußnote erinnern, soviel ist sicher.“

Serena Williams, die wie ihre Schwester Venus verletzungsbedingt dem Turnier fern blieb, ätzt inzwischen über die Kolleginnen. „Das Turnier ist doch ziemlich trocken“, sagte die ehemalige Nummer eins der Weltrangliste. So scheinen das auch einige Zuschauer zu empfinden. Beim Zweitrundenspiel von Jennifer Capriati hallte ein Ruf durch das Stadion: „Go Martina!“ Die Aufmunterung tat der Slowakin Martina Sucha allerdings nicht besonders gut. Am Ende unterlag sie Capriati in der zweiten Runde 1:6, 1:6. Immerhin beschäftigte sie die 27-Jährige doppelt so lang wie bei deren erstem Auftreten. Dieses dauerte nur 35 Minuten.

Capriati, die nun anstelle der Williams-Schwestern die Hoffnungen der Gastgeber trägt, rätselte später. „Wo ich wirklich stehe, weiß ich erst, wenn ich gefordert werde.“ Das könnte noch eine Weile dauern. In der nächsten Runde trifft sie auf die Französin Emilie Loit, derzeit die Nummer 49 der Welt.

Elfmal hat Capriati den Grand Slam in New York bereits gespielt, 1991 und 2001 schaffte sie es immerhin bis ins Halbfinale. Dieses Jahr scheint alles zusammenzupassen. Nach einer Durststrecke, die sich von ihrem Turniersieg bei den Australien Open 2002 über 18 lange Monate hinzog, gewann sie in der vergangenen Woche das Finale von New Haven gegen Lindsay Davenport. Die labile Schulter hält nach intensiver Physiotherapie wieder, und dann kam in letzter Minute die Absage von Venus Williams, ihrer potenziellen Viertelfinal-Gegnerin. Nun sieht es nicht schlecht aus für sie.

Capriatis Bilanz gegen die beiden Williams-Schwestern sieht düster aus. Gegen Venus hat sie in ihrer Karriere nicht einmal gewonnen, gegen Serena verlor sie die letzten acht Duelle. Doch darüber muss sie sich jetzt keine Gedanken machen. „Es wäre großartig, hier zu gewinnen“, sagt sie, „ich würde meine Karriere definitiv viel glücklicher beenden, sollte das jemals passieren.“

Mittlerweile ist sie 27 Jahre alt, und der Körper meldet sich immer öfter. Dreizehn Jahre Profitennis haben Spuren hinterlassen. Ihre Vorhand hat sie in letzter Zeit umgestellt, um die Schulter zu schonen. Inzwischen legt sie besonderen Wert auf Fitnesstraining. „Das gibt mir ein gutes Körpergefühl und damit Selbstvertrauen“, sagt Jennifer Capriati.

Das New Yorker Publikum mag sie. Sicherlich nicht mit dieser Herzlichkeit, die es für Andre Agassi empfindet, doch Capriati kommt kurz danach. Ihr Outfit im Auftaktmatch tat ein Übriges. In einem blauen Kleidchen mit weißen Sternchen ließ sie die Herzen der in diesen Zeiten notorisch patriotischen Amerikaner noch höher schlagen.

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