Sport : Bleib doch, Kumpel!

Bei Schalke stiften Personalfragen Unruhe.

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Glück auf, Klaas-Jan Huntelaar. Und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezündt. Foto: dapd
Glück auf, Klaas-Jan Huntelaar. Und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezündt. Foto: dapdFoto: dapd

Die Gesichter waren gezeichnet von diesem Besuch. Die Spieler des FC Schalke 04 hatten hinterher Probleme, den Kohlenstaub aus dem Gesicht zu bekommen. Diese Grubenfahrt gehört traditionell zum jährlichen Veranstaltungskalender der Schalker Profis, mit der auch das Image als Arbeiterklub stets gepflegt wird. „Auch unter Tage kann man nur erfolgreich sein, wenn man zusammenhält“, sagte Torhüter Lars Unnerstall, als er nach dem Besuch des Bergwerks Auguste Victoria in Marl wieder das Tageslicht erblickte.

Ein solches Zusammengehörigkeitsgefühl hatte auch die Schalker in der Bundesliga-Hinrunde auf Platz drei befördert, woran sich Unnerstall in diesem Moment zu erinnern schien. Alle reden zwar vom Meisterduell Bayern gegen Dortmund, doch könnte Schalke am Ende der lachende Dritte sein. Wenn da nicht einige ungeklärte Personalfragen wären.

Hinter den Kulissen sind die Verantwortlichen der Schalker gerade dabei, die nähere Zukunft des Klubs zu organisieren. Dabei geht es für Manager Horst Heldt darum, neue Perspektive zu entwickeln. Gerade der Verbleib von zwei der wichtigsten Spieler, Raúl und Jefferson Farfan, deren Verträge im Sommer auslaufen, verursacht dabei einige Unruhe. Vor allem die Personalie Raúl scheint unterschiedliche Wahrnehmungen hervorzurufen. „Alle Signale von Raúl waren ausgesprochen positiv. Er ist schon auf Schalke verwurzelt, identifiziert sich mit Klub und Fans. Er fühlt sich einfach wohl bei uns“, hatte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies beinahe euphorisch verkündet.

Horst Heldt hatte die Sachlage bis dato etwas nüchterner eingeschätzt. Vor allem die finanzielle Ausstattung des 34-jährigen Spaniers, der derzeit rund 7,5 Millionen Euro jährlich (davon zwei Millionen Euro von Real Madrid) verdienen soll, scheint dem Manager Sorge zu bereiten. Der sich auf Konsolidierungskurs befindliche Klub müsste wohl darauf hoffen, dass Raúl künftig auf einen Teil seines Gehalts verzichtet. „So etwas habe ich aber bisher noch nicht erlebt. Das habe ich als Aktiver ja auch nicht gemacht“, sagte Heldt jüngst. Zudem würde ein entsprechend hohes Gehalt finanzielle Mittel, aber auch die Fantasie für perspektivische Verpflichtungen blockieren.

Eine Vertragsverlängerung mit Raúl, über die bis Ende Januar eine Entscheidung gefallen sein soll, wäre zumindest keine längerfristige Investition in die Zukunft. Denn ganz gleich ob der Spanier noch einen Ein- oder Zweijahresvertrag in Gelsenkirchen erhalten würde, eine Ablösesumme wird der Verein im Anschluss nicht mehr bekommen – ungeachtet der Frage, ob Raúl sein körperliches Niveau mit 35 oder sogar 36 Jahren noch aufrecht erhalten können wird. Diese physische Problematik stellt sich bei Jefferson Farfan nicht, allerdings hatte der Peruaner zuletzt nicht nur die Öffentlichkeit geschockt, als der 27-Jährige neben einem von den Schalkern angebotenen Gehalt von jährlich sechs Millionen Euro für eine Vertragsverlängerung zusätzlich wohl 14 Millionen Euro Handgeld kassieren wollte. Der Klub hatte daraufhin Chinedu Obasi aus Hoffenheim ausgeliehen und die Gespräche mit Farfan auf Eis gelegt. Bisher gibt es bei dieser Personalie ebenfalls keine Ergebnisse.

Diese Personalentscheidungen dürften für die Zukunft von Spielern wie Angreifer Klaas-Jan Huntelaar ebenfalls von Bedeutung sein. Auch der Holländer dürfte nur Interesse daran haben, über 2013 hinaus zu bleiben, wenn der Klub sportliche Perspektiven wie die Champions-League-Teilnahme bieten kann. Vor dem Start heute gegen den VfB Stuttgart ist neben der Vorfreude auf eine aussichtsreiche Rückrunde genug Nervosität vorhanden.

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