Sport : Bleibt alles anders

Stefan Hermanns

Fußball ist ein Spiel, das seinen Reiz vor allem daraus bezieht, dass vorher niemand weiß, wie es am Ende ausgeht. Zumindest in der Theorie ist das so. Nur wenn Hertha BSC bei Borussia Dortmund spielt, gilt diese Regel nicht. Als die Berliner zum bisher einzigen Mal in Dortmund siegten, war Willy Brandt noch Bundeskanzler. Dass die meisten der 63 000 Zuschauer der gestrigen Begegnung zwischen Borussen und Berlinern trotzdem einen gewissen Reiz abgewinnen konnten, liegt vor allem daran, dass sich die BVB-Fans weiter echte Hoffnungen auf den ersten Titel seit 1997 machen können. Nach dem 3:1 gegen Hertha beträgt Dortmunds Rückstand auf den Tabellenführer Leverkusen nur noch zwei Tore. Die Berliner hingegen verloren zum ersten Mal nach neun Spielen ohne Niederlage. "Da muss man nichts zu sagen", sagte Herthas Torhüter Christian Fiedler. Zum Thema Fotostrecke I: Bilder der Saison 01/02
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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Immerhin beendete Andreas Neuendorf eine weitere schwarze Serie der Berliner. In der 71. Minute erzielte er mit einem Fernschuss zum 1:2 Herthas ersten Treffer in Dortmund seit dem Aufstieg 1997. "Das ist ja auch schon mal ein Erfolg", sagte Herthas Trainer Jürgen Röber. Das letzte Berliner Tor lag so lange zurück, dass Schüler, die im Juni Abitur machen, damals noch nicht einmal wussten, wie man sieben mal acht ausrechnet. Im Oktober 1990 traf Theo Gries zu Herthas 1:0-Führung. Natürlich hat die Mannschaft am Ende trotzdem verloren.

"Leider hat sich nichts verändert", sagte Röber. Und doch war es anders als früher. "In der Vergangenheit hat Dortmund uns hier an die Wand gespielt. Das war jetzt nicht so." Nach Neuendorfs Anschlusstreffer hätte das Spiel durchaus kippen können. "Hertha hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen", sagte selbst Dortmunds Trainer Matthias Sammer. Marcelinho hatte zwei gute Chancen, Rob Maas scheiterte im Nachschuss, dann auch noch Stefan Beinlich. Der Berliner Drang dauerte allerdings nur fünf Minuten. Nach einer Ecke von Tomas Rosicky traf Christian Wörns zum 3:1-Endstand. "Wir waren nicht kaltschnäuzig genug", sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß.

Vor allem waren die Herthaner lange Zeit zu passiv, zu ungenau im Spielaufbau. "Gerade in der ersten Halbzeit haben wir uns nicht so richtig aus der Defensive herausspielen können", sagte Röber. Immerhin stand die Hintermannschaft einigermaßen kompakt, nur bei hohen Flanken hatte sie große Schwierigkeiten. Alle drei Tore fielen per Kopf, zwei erzielte Jan Koller. "Es ist schwer, so einen Riesen am Kopfball zu hindern", sagte Trainer Röber. Bei Kollers Toren verschlechterte Eyjölfur Sverrisson seine ohnehin geringen Abwehr-Chancen noch dadurch, dass er sich in den entscheidenden Momenten hinter Koller aufhielt.

Manager Hoeneß fand trotz kleiner, aber entscheidender Konzentrationsschwächen, dass die Einstellung der Mannschaft gestimmt habe, "schließlich hatte Dortmund keine hundertprozentige Torchance". Das war ein wenig beschönigend, aber die größte Möglichkeit hatten die Borussen in der Tat nur deshalb, weil Schiedsrichter Jürgen Aust ihnen einen unberechtigten Elfmeter zugesprochen hatte. Christian Fiedler soll Ewerthon gefoult haben, in Wirklichkeit hatte Herthas Torhüter Dortmunds Stürmer überhaupt nicht berührt. Ewerthon schoss selbst, aber so schwach, dass Fiedler ohne Mühe parieren konnte.

"Ausgleichende Gerechtigkeit", sagte Jürgen Röber. Herthas Trainer hat in Dortmund schon Schlimmeres erlebt. Deshalb will er sich durch die erste Niederlage seit mehr als drei Monaten auch nicht die Zuversicht rauben lassen. "Optimistisch sind wir immer", sagte Herthas Trainer. Vermutlich auch in der nächsten Saison, wenn Hertha wieder im Westfalenstadion spielen muss.

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