Sport : Bleibt alles anders

Wie im vergangenen Jahr stehen die Eisbären im Finale um die Eishockey-Meisterschaft – aber mit ganz neuen Möglichkeiten

Claus Vetter

Berlin - Zum zweiten Mal in Folge haben die Berliner Eisbären das Finale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft erreicht. Darin aber erschöpfen sich schon die Parallelen zwischen dieser und der vergangenen Saison. Pierre Pagé meint sogar, dass seine Mannschaft in dieser Saison „alles anders“ gemacht hat. Da übertreibt der Trainer der Eisbären ein wenig. Und doch ist bei den Berlinern nicht alles, aber vieles anders als im Vorjahr:

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Die Ausgeglichenheit: Während sich die anderen Spitzenmannschaften der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf ihre Stars verlassen, ist bei den Eisbären die Mannschaft der Star. Die Berliner haben bewiesen, dass es auch ohne herausragende Individualisten wie Patrick Lebeau (Frankfurt Lions) oder Jochen Hecht (Adler Mannheim) geht. Wenn ein Team relativ gleichwertige Reihen auf hohem Niveau aufbietet, ist es für die Gegner schwerer auszurechnen. Das zeigte sich bisher in allen neun Play-off-Spielen der Berliner. Mark Beaufait, Erik Cole, Derrick Walser oder Shawn Heins – in jeder Partie war ein anderer Profi der beste Spieler der Eisbären.

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Die Neuen: Gerade durch ihre Zugänge haben die Eisbären an Niveau gewonnen, da viele von ihnen in den Play-offs erst richtig aufgeblüht sind. Die Verteidiger Shawn Heins und Derrick Walser, die Stürmer Erik Cole und Stefan Ustorf sowie der momentan verletzte Torwart Olaf Kölzig haben allesamt maßgeblich dabei geholfen, dass die Berliner in den Play-offs als Sieger vom Eis gingen.

Die Nervenstärke: In den vergangenen zwei Jahren sind die Eisbären in den Play-offs auch an ihrer fehlenden mentalen Stärke gescheitert. In dieser Saison haben sie zwar in der Endrunde schon mal gewankt, aber in schwierigen Spielsituationen oder nach ihren zwei Niederlagen nicht gezittert. Gegen den ERC Ingolstadt haben sie erstmals überhaupt in ihrer Klubgeschichte einen Rückstand in einer Play-off-Serie aufgeholt. Verteidiger Micki Dupont glaubt sogar, „dass uns diesmal in den Play-offs Niederlagen und Rückstände nur noch stärker gemacht haben“.

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Die Auswärtsstärke: In ihren vier Auswärtsspielen haben sich die Berliner nur beim 5:6 im vierten Viertelfinalspiel in Augsburg zwei schwache Drittel erlaubt. In den drei anderen Partien – insbesondere am Sonntag beim 4:2-Sieg in Ingolstadt – haben sie sehr souverän agiert. Souveräner als im Vorjahr, wo sie im Viertelfinale bei der Düsseldorfer EG zwar zweimal siegten, dabei aber Mühe und Glück hatten.

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Die Torhüter: Auch wenn Olaf Kölzig derzeit verletzt ist, hat der deutsche Star- Torhüter Ersatzmann Oliver Jonas zu einem Formanstieg verholfen, weil der durch die Verpflichtung Kölzigs um seinen Platz im Tor kämpfen musste. Jonas habe zuletzt so hart trainiert „wie noch nie“, sagt Trainer Pagé. Und Jonas hat bislang im Tor in den Play-offs bessere Vorstellungen abgeben als im Vorjahr.

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Die Ausgangslage: Erstmals seit drei Jahren sind die Eisbären nicht Tabellenerster der Hauptrunde und damit auch nicht als der Favorit auf den Titel in die in die Play-offs gegangen. Schafft Titelverteidiger Frankfurt, der mit der neuen Rolle bislang in den Play-offs nicht so gut lebte, heute mit einem Sieg gegen Mannheim den Einzug ins Finale, dann werden die Eisbären ihre Außenseiterrolle in der Endspielserie behalten. Und bisher haben sie damit sehr komfortabel gespielt.

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