Sport : Bleiplatten in der Badehose

Der Weltjahresbeste Steffen Deibler scheitert bei Kurzbahn-Schwimm-WM

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Mühsamer Kampf. Steffen Deibler patzte über 100 Meter Schmetterling. Foto: dpa Foto: dpa
Mühsamer Kampf. Steffen Deibler patzte über 100 Meter Schmetterling. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Für Steffen Deibler lag’s einfach an der Kraft. Die habe gefehlt, deshalb diese Pleite. 51,72 Sekunden über 100 Meter Schmetterling, was für eine Zeit. Als wäre er mit Bleiplatten in der Badehose geschwommen, 1,77 Sekunden langsamer als bei der Kurzbahn-EM Ende November. Damals hatte er Gold gewonnen. Jetzt, in Dubai, bei der Kurzbahn-WM, überstand er nicht mal den Vorlauf. Er, Steffen Deibler, der Weltjahresbeste über diese Strecke. „Vielleicht muss man aus der hohen Belastung Lehren ziehen“, erklärte er in Dubai. Der 23-Jährige hat seit September alle Kurzbahn-Weltcups bestritten. Das habe geschlaucht.

Dirk Lange, der Bundestrainer, hat noch eine andere Erklärung. „Ich gehe davon aus, er hat die Sache unterschätzt.“

Wahrscheinlich stimmt beides, aber beides führt auch zum Kern des Problems von Steffen Deibler. Die ganzen Weltcup-Einsätze hatten ja ihren Sinn, Lange hatte den Hamburger bewusst durch die Welt gehetzt. Deibler sollte Wettkampfhärte gewinnen, er sollte gegen Top-Leute antreten, Stars, die cool auftreten, die mit Psychotricks andere einschüchtern. Leute wie Steffen Deibler.

Deibler ist immer noch nicht Teil dieser coolen Szene. Er gewann bei der Kurzbahn-EM vier Titel, er hält den Weltrekord auf der Kurzbahn über 50 Meter Schmetterling, aber er schafft es nicht, bei Top-Wettkämpfen sein Können komplett auszuschöpfen. Eine EM ist kein wirklich großer Wettbewerb.

„Steffen hat in Deutschland längst den Durchbruch geschafft“, sagt Lange, „aber international hat er sein Können erst angedeutet. Er ist leider noch nicht so weit, wie wir uns das alle gewünscht hätten.“ So jemand darf vor allem kein Risiko eingehen. High-Tech-Anzüge sind nun verboten, aber „die Topleute starten gleich schnell wie früher, obwohl sie wissen, dass sie am Ende sterben“, sagt Lange. Wer da glaubt, er könne taktische Spielchen machen, ausgerechnet bei einer WM, muss noch viel lernen. Aber wenigstens über 50 Meter Schmetterling will der 23-Jährige nun eine Medaille.

Deibler hat die Sache unterschätzt? Seltsam. Das hatte er doch schon mal, er hätte doch daraus lernen können. Bei der Mare-Nostrum-Tour im Juni hatte er ein Rennen mit Höchstgeschwindigkeit begonnen und prompt eine Medaille gewonnen. Beim nächsten Einsatz ließ er es ruhiger angehen. Die Zeit? Zum Vergessen, sagt Lange. Frank Bachner (mit dpa)

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