Sport : Blick nach Ägypten

Handball-Erstligist Füchse Berlin scheint bei der Suche nach Verstärkung fündig geworden zu sein

Hartmut Moheit

Berlin - Ein Stück abwärts ging es zuletzt mit den Füchsen Berlin – vom siebten ins erste Stockwerk. Die Geschäftsstelle ist am Gendarmenmarkt umgezogen, aber Bob Hanning verspricht: „Ansonsten wird es bei uns weiter aufwärts gehen.“ In Augenhöhe vor sich hat der Manager nunmehr zwar den Deutschen Dom, aber seine Gedanken sind dabei international ausgerichtet. „Wir haben uns zuletzt zwar mit zwei Polen und einem Franzosen wesentlich verstärkt, aber mit Blick auf die neue Saison brauchen wir schon noch einen starken Linkshänder“, sagt er. Nach Tagesspiegel-Informationen soll der Ägypter Ahmed El Ahmar für Hanning und Trainer Jörn-Uwe Lommel erste Wahl sein. Der 23-jährige El Ahmar, ein 1,85 m großer, torgefährlicher, sehr quirliger Linkshänder, wäre damit nach Hany El Fakharany der zweite Spieler seines Landes, den der ehemalige ägyptische Nationaltrainer Lommel an die Spree locken würde. Nur eines wäre diesmal günstiger: Der Ramadan fiele 2008 in die noch punktspielfreie Zeit vor der neuen Saison. 2007 war El Fakharany im Monat der Enthaltsamkeit zwischen Sonnenauf- und untergang doch stark geschwächt in die Spiele gegangen. Derzeit kämpfen die beiden Ägypter in Angola mit ihrem Nationalteam bei der Afrikameisterschaft um ein Olympiaticket für Peking.

„Für diese Saison werden wir uns definitiv nicht mehr verstärken“, kündigte Bob Hanning zunächst einmal an. Er ist überzeugt davon, dass die jetzige Mannschaft „den Klassenerhalt schaffen wird“. Die geschätzten 300 000 Euro an Mehreinnahmen durch den „höchstens erträumten Zulauf in der ersten Halbserie“ sind bereits wieder ausgegeben oder verplant worden. Hanning verweist auf die neuen Spieler und kündigt für Anfang Februar, wenn die Saison für den Bundesliga-Aufsteiger nach der EM-Pause weiter geht, eine große Werbekampagne für die Füchse an. Er sagt: „Wir wollen mit einem frechen Auftritt in der ganzen Stadt auch eine eigene Marke ,Füchse Berlin‘ kreieren.“

So trainiert Jörn-Uwe Lommel derzeit zwar mit sieben Spielern weniger („Alle, die Handball spielen können, sind in Auswahlteams unterwegs“), aber die Zukunft hat er gemeinsam mit Hanning stets vor Augen. Am 30. Juni laufen zwar ihre Verträge offiziell aus, doch eine Verlängerung scheint für beide momentan nicht vorrangig zu sein. „Erst das Team, dann wir“, sagt Hanning. „Erst einmal müssen alle Hausaufgaben erledigt sein.“ Auf geschätzte fünf Millionen Euro soll der bisher 2,7-Millionen-Euro-Etat in den nächsten drei Jahren gesteigert werden, und die Füchse Berlin damit in einstellige Bundesliga-Regionen geführt werden. Bob Hanning widerspricht aber jenen, die über Berlin sagen, dass es ohne einen baldigen Titel keine Perspektive gäbe. „Die Leute in der Stadt respektieren Offenheit und ehrliche Arbeit“, lautet seine Begründung und er verweist auf den Zuschauerboom bei den Füchsen. Vielleicht sind es ja auch besondere Typen von Handballern, die Fans anlocken. Dann hätten die Füchse in der neuen Saison mit Ahmed El Ahmar einen besonderen Spieler mehr im Team.

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