Sport : Blitztransfer eines Schwierigen

Füchse verpflichten rechtzeitig zum Spiel gegen Göppingen Christian Caillat

Hartmut Moheit

Berlin - Zunächst einmal musste sich Christian Caillat in Geduld üben. Es war zwar zuletzt sein „großer Wunsch, so schnell wie möglich mit den Füchsen Berlin in der Handball-Bundesliga zu spielen“, doch als der Franzose am Donnerstag eigentlich zum ersten Training antreten wollte, hatte er noch knapp 300 Autobahnkilometer vor sich. Der Abschied von den Rhein-Neckar Löwen hatte sich für den 33 Jahre alten Rückraumspieler verzögert. Zum Schluss war der Wechsel derart schnell vollzogen worden, dass Caillat erst noch am Vormittag seinem bisherigen Verein dessen Ausrüstung zurückgeben musste. Nichts sollte diesen Transfer trüben, der auf besondere Weise zustande gekommen ist. Gerade noch rechtzeitig vor dem heutigen Heimspiel der Füchse (15 Uhr, Schmeling-Halle/ live im DSF) gegen FA Göppingen.

Thorsten Storm, der Geschäftsführer der Rhein-Neckar Löwen, hatte zwar mehrfach betont, dass die Bundesliga schon aus Vermarktungsgründen ein starkes Berliner Team benötige, aber nun handelte er auch. „Ein Teil des Gehaltes von Caillat wird von seinem alten Verein bezahlt“, sagt Füchse-Manager Bob Hanning. Durch den Zugang der polnischen Vize-Weltmeister Bielecki und Tkaczyk verfügte das in Mannheim spielende Team über zu viele hochkarätige Rückraumspieler, so dass Caillat nicht mehr auf eine Vertragsverlängerung hoffen konnte. Seit das bekannt geworden war, bekam Caillat viele Angebote, obwohl seine Saisonbilanz mit 18 Toren in 15 Spielen nicht gerade eindrucksvoll ist.

Auch wenn er Caillat zuletzt nur noch sporadisch einsetzte, hält Löwen-Trainer Juri Schewzow sehr viel von ihm. „Er ist ein absoluter Profi, der stets mit viel Leidenschaft bei der Sache ist“, sagte er. Schewzow war es auch, der den als menschlich schwierig geltenden Franzosen stets unterstützte. Bevor Caillat verpflichtet wurde, hatte Schewzow häufiger gehört: „Der kommt doch nirgendwo klar.“ Caillat hatte in Stralsund, Paris, Wilhelmshaven, Essen und Wetzlar gespielt. Auch Füchse-Trainer Jörn-Uwe Lommel wollte ihn. Er zog den 2,02 Meter großen, nur 90 Kilogramm schweren und deshalb beweglichen Caillat einem eher abwehrstarken Rückraumspieler vor.

Das Bild, das man sich von ihm macht, sei nicht völlig verzerrt, das gibt der Rechtshänder durchaus zu. „Ich weiß, dass ich kein einfacher Mensch bin, aber man kann gut mit mir auskommen“, wird er in einem Heft der Rhein-Neckar Löwen zitiert. Sein bisheriges Team lässt jedenfalls nichts auf ihn kommen. Der offizielle Abschied vor dem Spiel gegen Gummersbach, erzählen Beobachter, sei ungekünstelt herzlich gewesen.

In Berlin besteht vielleicht sogar die Chance, dass Caillat noch mehr Freunde gewinnt – zumindest solche, die kulinarisch interessiert sind, mit denen er sich dann übers Essen unterhalten kann. „Ich liebe die französische Küche“, sagt er. „Wäre ich allein, würde ich mir ein Abonnement in einem solchen Restaurant nehmen.“ Allein ist er seit seiner Hochzeit zwar nicht mehr, aber ein passendes Restaurant dürfte er in Berlin schnell finden.

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