Sport : Blockade am VIP-Eingang

Die Berliner Fans reagieren unwirsch auf die erneute Niederlage

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Berlin - Zu Beginn des Bundesligaspiels zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln bietet sich den anwesenden Zuschauern ein völlig ungewohntes Bild. Die Ostkurve des Stadions, dort wo die meisten und lautesten Hertha-Fans stehen, ist nur zur Hälfte gefüllt. Im Normalfall ist dieser Teil des Stadions am dichtesten besetzt. Wenn die Fans sauer auf ihren Klub sind, dann bleibt die Ostkurve schon mal eine Halbzeit lang leer. Aber halb gefüllt? Das hat es wahrscheinlich noch nicht gegeben. Nach fünfzehn Minuten kehren die Fans zurück, die draußen gewartet hatten. Die Anhänger des Klubs verhalten sich so ähnlich, wie ihre Mannschaft an diesem Nachmittag spielt – unentschlossen.

„Wir haben unter der Woche dreißig Fanklubs angerufen, die mit der Aktion einverstanden waren“, sagt ein Organisator der geplanten Blocksperre. „Doch viele haben sich dann leider von den Sprüchen auf der Internetseite des Vereins blenden lassen. Da wurde geschrieben, dass die Mannschaft die Fans in der jetzigen Situation unbedingt braucht.“

Ursprünglich geplant war ein komplett leerer Block, in dem ein Spruchband liegt mit der Aufschrift: „Leere Worte, leere Kurve“. „Aber das fanden wir dann doch lächerlich angesichts der vielen Fans, die trotzdem von Beginn an zugeschaut haben“, sagt der Organisator. So hielten die Fans während des Spiels lediglich eine Banderole hoch: „Ihr gebt alles für uns?“ Dahinter waren kleinere Schilder zu sehen, auf denen „Hoeneß raus!“ stand. Unter der Woche hatte der Klub in der ganzen Stadt Poster aufgehängt, die versprachen: „Wir geben alles für euch!“

Weitere kritische Spruchbänder waren den Fans vom Verein nicht genehmigt worden. „Wir hatten noch andere kritische Plakate. Uns wurde am Freitag vom Verein zugesagt, dass wir die Spruchbänder ins Stadion mitnehmen dürfen. Am Spieltag bekamen die Ordner dann plötzlich die Anweisung, uns diese wegzunehmen.“

Diese Reaktion des Vereins machte die Anhänger noch wütender, als sie ohnehin schon waren. Nach dem Schlusspfiff liefen rund 200 Hertha-Fans, darunter viele ältere, zum Südtor, genau dorthin, wo sich der schmale VIP-Eingang zu den Katakomben und zu den Mannschaftskabinen befindet. „Mit Frust mussten wir ja nach dem Abpfiff rechnen“, sagt Herthas Fanbetreuer Donato Melillo, „wir sind aber froh, dass es ruhig geblieben ist. Für uns ist die Situation doch selbst unerklärbar.“ Manche Fans wollten den Eingang stürmen, sie schrien „Wir haben die Schnauze voll!“ und „Hoeneß raus!“, nannten die Spieler „Scheiß Millionäre“. Ordner verhinderten, dass die Situation eskalierte. Geschäftsführer Ingo Schiller trat vor die Fans und zeigte Gesprächsbereitschaft. „In dieser Situation waren wir aber zu aufgebracht, um zu reden“, sagt der Fan-Organisator. „Es ist genug geredet worden.“ Später versuchte eine kleinere Gruppe Fans zur Geschäftstelle hinter dem Olympiastadion zu gelangen, sie wurde aber von der Polizei in Richtung U-Bahnhof abgedrängt.

Schon nach dem Ausscheiden im Uefa-Cup in Bukarest, als die wenigen mitgereisten Fans noch hämisch dem Trainer Falko Götz Applaus spendeten, hatten sich führende Fanvertreter mit der Geschäftsführung in den Stadionterrassen getroffen. Vier Stunden redeten Manager Hoeneß, sein Assistent Michael Preetz, auch Geschäftsführer Ingo Schiller war dabei. Falko Götz fehlte bei diesem Termin. ist/AG

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