Sport : „Blockbildung ist nicht entscheidend“

Torsten Frings über seine Perspektive in der Nationalmannschaft nach dem Wechsel von Bayern München zu Werder Bremen

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Herr Frings, verraten Sie uns doch mal, wie man den Weltmeister besiegen kann.

Ganz schwer nur. Die Brasilianer haben SuperEinzelspieler, jede Position ist exzellent besetzt. Wir müssen draufgehen und sie unter Druck setzen. Wir müssen mit allem, was wir haben, dagegen halten. Ich bin ganz zuversichtlich. Man hat ja gesehen, dass wir die körperlich fitteste Mannschaft des Turniers sind.

Weil diesen Confed-Cup niemand so ernst nimmt wie die Deutschen.

Jedenfalls haben wir so etwas wie eine Vorbereitung gemacht. Das merkt man jetzt. Wir haben auch eine harte Saison hinter uns und sind auch ein bisschen müde, aber immer noch einen Tick frischer als die anderen.

Sie werden Bayern München verlassen und nach Bremen gehen. Fühlen Sie sich hier noch als Bayern- oder schon als Werder-Spieler?

Ich fühle mich als Nationalspieler. Ich spiele für Deutschland und versuche, alles zu geben. Es ist völlig nebensächlich, bei welchem Verein ich spiele.

Sie nehmen also in Kauf, dass Sie jetzt die Lobby des stärksten deutschen Vereins verlieren?

Ich bin vor meiner Zeit in München Nationalspieler geworden. Das hatte mit Lobby nichts zu tun. Die Bayern sind zwar ein starker Verein, aber ich glaube, dass Jürgen Klinsmann sehr unabhängig davon ist.

Täuscht der Eindruck, oder reagieren Sie auf das Thema Bayern allergisch?

Allergisch? Ich weiß nicht, ich rede halt nicht gern drüber. Ich freu mich auf Bremen, da kenne ich mich aus, die haben auch eine starke Mannschaft, sind im vorigen Jahr Meister geworden und jetzt Dritter. Alles andere interessiert mich nicht mehr.

Aber Ihr Weggang von den Bayern könnte Einfluss auf Ihre Nationalmannschaftskarriere nehmen . Unter Klinsmann hat sich im Mittelfeld der Bayern-Block durchgesetzt.

Ich glaube nicht, dass dem Bundestrainer diese Blockbildung wirklich wichtig ist. Hätte vor kurzem die Nationalmannschaft nicht gegen die Bayern verloren, wäre das Gerede gar nicht aufgekommen. Das Thema Blockbildung ist ohnehin nicht entscheidend. Die Brasilianer haben auch keinen Milan-Block, da kommen die Spieler aus den unterschiedlichsten Vereinen. Sie müssen einfach nur gut sein.

Sind Sie nicht gut genug für die Bayern?

Das war nie die Frage. Wenn man sich nicht richtig wohl fühlt, spielt man nicht richtig gut Fußball. Da läuft im Unterbewusstsein etwas ab. Da fehlt irgendwas.

Als Sie Bremen vor drei Jahren verließen, fielen kritische Worte.

Ich wollte mich weiterentwickeln. Mit Bremen haben wir zu meiner Zeit damals mit Ach und Krach den Uefa-Cup erreicht, das war es aber auch. Da sind dann Worte gefallen, die nicht so gemeint waren. Man versucht in so einer Situation halt alles, damit der Verein einen dann auch gehen lässt. Ich habe aber nie etwas gegen Fans oder Personen des Vereins gesagt.

Wenden Sie sich von den Bayern ab, um sich Neutralität zu erhalten?

Nein, auch das trifft nicht zu. Ich habe einfach nicht dahin gepasst. Auch Bremen ist ein Top-Verein geworden. Werder hat sich entwickelt, und ich mich auch.

Sie verlassen München also, weil Sie mit dem Trainer nicht klarkommen. Der war ja schon in Bremen nicht Ihr bester Freund.

Nein, auch das ist nicht richtig. Ich habe nur gesagt, dass Felix Magath vielleicht nicht mein größter Förderer war, sonst nichts.

Ist es bei Jürgen Klinsmann anders?

Ja, würde ich schon sagen.

Und wie?

Es ist ja bekannt, dass er viel mit den Spielern redet. Das finde ich gut. Jeder Spieler ist anders, aber ich brauche das.

Ist das nicht ein Zeichen von Schwäche?

Nein, wenn man spielt, möchte man doch darüber reden. Man möchte wissen, was gut war und was noch zu verbessern ist. Ich will mich verbessern.

Hat Ihnen dieser Schritt bei den Nationalspielern Wertschätzung eingebracht? Hat Ihnen gar eine Ihnen nahe stehende Person von diesem Schritt abgeraten?

Nein, meine Frau hat zu mir gesagt: Du gefällst mir nicht, wie du hier bist. Die Spieler können alle diesen Schritt verstehen. In München wirst du zu 80 Prozent Meister und kommst in der Champions League weiter. Aber das ist nicht alles. Ich hätte auch auf die Zähne beißen und meinen Vertrag durchziehen können. Aber aus privaten Gründen wollte ich gehen. Ich bin halt anders als viele andere.

Wie anders?

Ich möchte meine Ruhe haben. Nicht vom Fußball, aber von dem ganzen Drumherum. Die Medien sind wichtig, aber ich muss nicht jeden Tag in der Zeitung stehen. So bin ich nicht. Ich möchte nicht, dass mich jeder anquatscht, wenn ich Einkaufen gehe. Oder soll ich, wenn ich mit meiner Tochter Eis essen gehe, mit einer Zeitung telefonieren? Ich kann die Leute nicht verstehen, die das machen.

Aber der Rummel wird im WM-Jahr erst richtig losgehen.

Okay, eine Stunde nach dem Spiel, da mache ich das gern. Danach halte ich mich lieber zurück. So verstehe ich meinen Job. Aber Sie sehen ja, ich setze mich mit Ihnen hier hin und wir reden.

Ist das Schönste an Bremen, dass es dort nicht so viele Zeitungen gibt?

Bremen hat auch viele andere schöne Seiten. Aber ich habe auch im München mit den Medien gesprochen und meine Meinung gesagt. Vielleicht habe ich deswegen Probleme bekommen, weil nicht jeder damit klargekommen ist. Ich will mir meine Eigenständigkeit erhalten.

Genau das fordert Jürgen Klinsmann von Nationalspielern.

Klar, immer mal wieder sagt er zu uns: los, geht mal raus aus dem Hotel, hier gibt es heute nichts, sondern guckt, dass ihr euch was zu essen besorgt. Ich finde das gut, dass sich jeder von uns ein bisschen mehr kümmern muss, dass einem nicht alles hinterhergebracht wird.

Das Gespräch führte Michael Rosentritt.

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