Sport : Blöd gesprungen

Georg Späth verpasst bei der Skiflug-Weltmeisterschaft zweimal knapp eine Medaille

Ulrich Hartmann

Georg Späth lächelt eigentlich immer, und wenn man nicht um die Geschehnisse auf der Schanze wüsste, dann wäre in dieses Lächeln nur schwer etwas hineinzuinterpretieren. Am Freitag hatte der 22-jährige Oberstdorfer gelächelt, weil er auf dem besten Weg war, im slowenischen Planica überraschend Skiflug-Weltmeister zu werden, aber am Sonntag sah sein Lächeln dann etwas konsterniert und beinahe eingefroren aus. Da stand fest, dass er nicht nur am Samstag eine Medaille im Einzel, sondern am Sonntag auch noch jene mit der deutschen Mannschaft ganz knapp verpasst hatte. „Etwas Blöderes als zwei vierte Plätze gibt es wirklich nicht“, klagte Späth.

Es ist nun schon zwei Jahre her, dass die deutschen Skispringer zuletzt eine Medaille mit der Mannschaft gewonnen haben. Beim WM-Skifliegen in Planica am Sonntag sind sie hinter Norwegen, Finnland und Österreich nur Vierter geworden – so ein Malheur war ihnen schon beim WM-Springen in Val di Fiemme vor einem Jahr widerfahren. Das letzte Edelmetall im Kollektiv stammt von den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City. Damals war es sogar Gold, doch da war Georg Späth noch nicht Mitglied im Team. Deshalb hat der Oberstdorfer in Planica ernüchtert festgestellt, „dass ich jetzt der Einzige von uns vieren bin, der noch keine Medaille hat“, und das war nur einen Tag nach seinem vierten Platz im Einzel eine betrübliche Bilanz.

„Für den Schorschi ist es besonders bitter“, tröstete Mannschaftskollege Martin Schmitt, der von den acht deutschen Sprüngen am Sonntag die beiden schlechtesten hingelegt und deprimiert um Absolution gebeten hatte. Im Gegensatz zu Schmitt flog der ebenfalls um Form und Fassung ringende Sven Hannawald zwar zwei Mal knapp über die 200-Meter-Grenze hinweg, Begeisterung erntete der Hinterzartener allerdings auch damit nicht. Bundestrainer Wolfgang Steiert musste nach dieser ersten medaillenlosen Skiflug-WM für die deutschen Springer seit 1996 und exakt drei Wochen vor dem Saisonende feststellen, „dass Martin und Sven ihre Form immer noch nicht gefunden haben“.

Es ist allerdings auch schon zu spät für eine sinnvolle Fehleranalyse. Sieben Weltcup-Wettbewerbe bleiben den deutschen Springern noch bis zum Finale am 14. März in Oslo, um dem bislang einzigen deutschen Sieg von Michael Uhrmann im Januar in Zakopane noch einen weiteren hinzuzufügen. Dass die laufende Saison zu einem deutschen Fiasko und zugleich einem Triumph der norwegischen Springer mit ihrem finnischen Trainer Mika Kojonkoski geworden ist, lässt sich ohnehin nicht mehr ändern. Sigurd Pettersen hat die Vier-Schanzen-Tournee gewonnen, Roar Ljökelsöy das Einzelfliegen am Samstag und die norwegische Mannschaft auch den Teamwettbewerb am Sonntag. „Wir sind mental das beherrschende Team“, analysierte Kojonkoski prägnant und zeigte kaum Mitleid mit seinem Landsmann Janne Ahonen.

Dass dieser sich in Planica sowohl im Einzel als auch beim Teamwettbewerb mit Platz zwei begnügen musste, dürfte er allerdings im Weltcup zu therapieren wissen. Als dessen Gesamtsieger steht er schon jetzt so gut wie fest.

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