Sport : Bloß kein Schritt zuviel

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bezwingt die Färöer nach einem zähen Auftritt 3:0.

Auf der falschen Seite. Deutschlands Innenverteidiger Per Mertesacker brachte sein Team auf den Färöern in Führung. Foto: dpa
Auf der falschen Seite. Deutschlands Innenverteidiger Per Mertesacker brachte sein Team auf den Färöern in Führung. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Der Bundestrainer hatte sich einen Schal um den Hals gebunden, einige Spieler trugen Langarm-Unterwäsche unterm kurzärmeligen Trikot, Torwart Manuel Neuer sogar eine Strumpfhose – die 18 Inseln der Färöer im Nordatlantik können ein ziemlich unwirtliches Fleckchen auf dieser Erde sein. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aber kam gestern Abend leidlich mit den unleidlichen Bedingungen zurecht. Die Reise in den hohen Norden des Kontinents endete ohne größere Beschädigungen. Mehr als ein Pflichtsieg sprang für den großen Favoriten allerdings nicht heraus. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw siegte nach Toren von Per Mertesacker, Mesut Özil (Foulelfmeter) und Thomas Müller 3:0 (1:0). Weil die Schweden zuvor schon 1:0 in Kasachstan gewonnen hatten, ist Deutschlands Qualifikation für die WM in Brasilien allerdings noch nicht perfekt. Löws Team kann nun mit einem Heimsieg am 12. Oktober gegen Irland alles klar machen – und ein Endspiel um den Gruppensieg in Schweden drei Tage später vermeiden.

Die Deutschen spielten zumindest in der ersten Halbzeit so, wie man gegen einen Gegner spielen muss, dessen einziges Ziel es ist, das eigene Tor zu verteidigen. Sie versuchten den tief stehenden Defensivblock der Färöer in Bewegung zu bringen, ließen den Ball gut laufen, kombinierten gelegentlich durchaus flott, stellten sich aber im Abschluss zu oft zu lässig bis fahrlässig an. Vor allem Mesut Özil wirkte ein wenig überheblich und entschied sich oft für die falsche Option.

Trotzdem kamen die Gäste vor 4818 Zuschauern in der ersten halben Stunde zu einer ganzen Reihe an guten Gelegenheiten. Schon in der vierten Minute verfehlte Sami Khedira mit einem Flachschuss nur knapp das Tor, gleich darauf landete der Ball nach einer verunglückten Abwehraktion an der Latte des färingischen Tores. Miroslav Klose, der an diesem Abend vergeblich seinem 69. Länderspieltor und damit dem alleinigen Rekord hinterherjagte, traf nur den Pfosten. „Es sind sehr viele Beine im Sechzehner, da die Lücke zum Abschluss zu finden ist sehr schwer“, sagte Julian Draxler, der für den erkrankten Marco Reus in die Startelf gerückt war.

Trotz einiger guter Kombinationen war es eine schnöde Ecke, die den Deutschen nach 20 Minuten die Führung einbrachte. Jerome Boateng verlängerte eine Hereingabe von Mesut Özil per Kopf, Per Mertesacker vollendete am langen Pfosten mit dem Fuß. Für den Innenverteidiger des FC Arsenal war es das dritte Tor im 93. Länderspiel. Defensiv wurden Boateng und Mertesacker an diesem Abend nur selten gefordert. Zwei halbwegs gefährliche Konter brachten die Färinger in der ersten Hälfte zustande, einmal musste sogar Torhüter Neuer eingreifen, um einen Gegentreffer zu verhindern.

Die Deutschen ließen nach der Pause jedoch ebenfalls lange den Zug zum Tor vermissen. Es dauerte bis zur 66. Minute, ehe der Favorit sich gegen den 175. der Weltrangliste wieder eine klare Chance erspielte. Nach einer Flanke von Özil köpfte Khedira aus kurzer Distanz aufs Tor. Der Ball wurde jedoch noch kurz vor der Linie geklärt. Wenig später bot sich den Deutschen eine gute Kontergelegenheit: Thomas Müller kreuzte den Weg von Atil Gregersen und kam im Strafraum zu Fall. Es hatte wohl eine minimale Berührung vorgelegen. Schiedsrichter Gediminas Mazeika entschied auf Elfmeter und zeigte dem Verteidiger der Färöer die Rote Karte. Mesut Özil nahm einen Schritt Anlauf, verlud den Torhüter und traf zum 2:0. Die Ausführung des Elfmeters war fast sinnbildlich für den Auftritt der Deutschen in der zweiten Halbzeit: nur keinen Schritt zu viel machen.

Das Spiel nahm nun den zu erwartenden Verlauf. Die Färinger wurden müde, zumal in Unterzahl, den Deutschen boten sich weitere Chancen. Müller traf nach Vorarbeit seines Münchner Teamkollegen Philipp Lahm zum 3:0-Endstand. Tsp

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