Sport : Bloß keine Kniffe zeigen

Weltmeister Steinweg ist sauer, dass er beim Sechstagerennen mit einem Nachwuchsmann gegen den letzten Platz fährt

Helen Ruwald

Berlin. 50 Meter trennen die Kojen von Stefan Steinweg und seinem Partner Marc Altmann beim Berliner Sechstagerennen – Steinweg ist froh darüber. Der 33-jährige Weltmeister will sich mit dem 21-jährigen Nachwuchsfahrer in den Rennpausen gar nicht unterhalten. Und auch nicht mit ihm fahren – weil er mit Altmann, der erst sein zweites Sechstagerennen bestreitet, nicht um einen der vorderen, sondern gegen den letzten Platz strampelt. Otto Ziege, der Sportliche Leiter, hat angeordnet, dass die beiden Team 12 bilden, und dem müssen sie sich fügen. „Am ersten Abend bin ich spazieren gefahren, er hat Vollgas gegeben“, sagt Steinweg genervt zum Leistungsunterschied. Er zieht das Rennen ziemlich lustlos durch, „ob wir 17. oder 18. werden, ist egal“. Nach vier Tagen lagen die Männer in den grünen Trikots mit elf Runden Rückstand auf Rang 15.

Weil ihre Masseure unterschiedlichen Fahrerlagern zugeteilt sind, ruht sich Altmann im dem einen der beiden Fahrerlager direkt an der Bahn der Berlin Arena aus, Steinweg im anderen. Oberschenkel an Oberschenkel mit ihm in der Koje sitzt Erik Weispfennig, mit dem er rund 30 seiner 51 Sechstagerennen bestritten hat und 2000 Weltmeister im Zweier-Mannschaftsfahren geworden ist. Mit ihm war Steinweg 2001 in Berlin Dritter, im vergangenen Jahr Neunter. Gemeinsam wollten sie die Topfahrer auch dieses Jahr attackieren, doch Ziege ließ es nicht zu. Weispfennig fährt nun mit dem jungen Erfurter Christian Bach. „Wir sollen den Jungen was beibringen, hat Ziege gesagt“, und das weltmeisterliche Können weitergeben, erzählt Steinweg. Die Jungen fahren mit Kraft, die Alten mit Auge. Zwei Junge in einem Team wären überfordert. Wenn Altmann mal einen Ausreißversuch startet, wird er nach einer halben Runde wieder eingeholt.

Niemals käme Ziege auf die Idee, die Schweizer Bruno Risi und Kurt Betschart auseinander zu reißen oder Silvio Martinello und Marco Villa, die italienischen Vorjahressieger. Sie sind als Team zu Idolen geworden, die Fans wollen sie gemeinsam sehen. Steinweg und Weispfennig sehen sich auch als festes Paar. Ziege hingegen sagt: „Wieso soll ich die zusammen verpflichten?“ Zu schlecht seien ihre Ergebnisse in diesem Winter gewesen, 9. in Dortmund, 13. in München, 6. in Bremen, 7. in Stuttgart. „Sie sind über 30, vielleicht tut man ihnen einen Gefallen, wenn man ihnen einen Jungen zur Seite stellt, vielleicht werden sie dann besser.“ Außerdem habe Steinweg selbst vor zwei Jahren den Wunsch geäußert, mal einen anderen Partner zu bekommen. „Stimmt“, sagt Steinweg, „einen besseren“. Sauer ist er, weil er erst vor zwei Wochen zufällig von einem Masseur beim Rennen in Bremen erfuhr, dass Weispfennig nicht sein Partner werden würde. „Ziege hatte uns versprochen, dass wir zusammen fahren.“ Ziege widerspricht, beiden Fahrern einzeln habe er eine Zusage gemacht, „aber nicht als Mannschaft“.

Den Berliner Marc Altmann, immerhin Juniorenweltmeister, kümmert Steinwegs Unmut nicht, „er lässt es mir gegenüber nicht raushängen“. Besser als letztes Jahr will er abschneiden, wo er und Robert Slippens mit 26 Runden Rückstand 16. wurde. Altmann reicht es, dass die Veranstalter mit ihm zufrieden sind und er von Steinweg etwas lernen kann. „Er hat das Auge und schiebt mich in die richtige Position. Außerdem passt er auf, dass ich nicht zu viel mache.“ Vom Zusammenbruch seines Partners hätte auch der Weltmeister nichts. Dass Altmann ihm das eine oder andere abschaut, kann Steinweg nicht verhindern, irgendwelche Kniffe beibringen will er ihm nicht. Zeige er dem Nachwuchsfahrer zu viel, „kriegt der in zwei Jahren meinen Vertrag“. Altmann kontert gelassen: „Das kann passieren.“

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