Sport : Bloß nicht dran rühren

Vuelta-Fahrer schweigen das Thema Armstrong aus.

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Madrid - Die Vuelta, die Spanien-Rundfahrt also, findet im Schlummerland statt. Während sich nach dem Dopingverfahren gegen Lance Armstrong und den Details der Buchveröffentlichung von dessen einstigem Helfer Tyler Hamilton („The Secret Race“) nun sogar der Präsident des Welt-Radsportverbands UCI, Pat McQuaid, zu der Aussage durchringt: „Das war eine schwarze Ära des Radsports“, schweigen die Teilnehmer der Spanien-Rundfahrt.

„No comment“ ist der häufigste Satz in dieser Angelegenheit. Diese Zurückhaltung zeigt zum Beispiel die gesamte Truppe von „Radioshack“, dem Rennstall, für den früher Armstrong gefahren ist. Dabei muss Radioshacks Teamchef Johan Bruyneel sogar ein eigenes Dopingverfahren bestreiten. „Die Vorwürfe betreffen nicht uns. Deshalb nehmen wir dazu keine Stellung“, sagte Teamsprecher Tim Vanderjeugd. Formal hat er recht. Doch selbst wenn die Sponsorennamen wechselten, so ist doch eine personelle Kontinuität gegeben, die eine Stellungnahme herausfordert.

Wer doch etwas mehr sagt, erzählt die Mär vom Epochenbruch. „Der Radsport hat sich gewandelt. Es gab schlechte und gute Zeiten. Das damals waren schlechte, heute sind es gute“, sagt etwa Astana-Teamchef Giuseppe Martinelli. Er gibt damit zumindest das epidemische Doping der Armstrong-Jahre zu. Ein Kollege von ihm illustrierte es mit folgendem Bild von Dopingkontrollen: „Zu der Zeit war es, als hielte man eine Angel in den Teich und warte, dass jemand anbeißt. Heute sind die Kontrollen wie ein Kescher, mit dem man ganz gezielt jemanden herausfischen kann.“ Das deckt sich mit Hamiltons Aussagen. Er bezeichnete Dopingkontrollen als „Intelligenztests“, bei denen nur geprüft werde, wie schlau Fahrer und Betreuer Dopingkontrollen umgehen können.

Ein bedenkliches Zeichen hinsichtlich der Mentalität im Milieu ist, dass kein Teilnehmer der Vuelta sich offen erleichtert zeigte, dass Armstrong endlich aufgeflogen ist. Ein Durchbruch wäre erzielt, wenn Fahrer sich stattdessen freuten, dass betrügende Kontrahenten aus dem Verkehr gezogen werden. Die verschämten Reaktionen der Profis lassen eher auf eine Mentalität von partners in crime schließen. Tom Mustroph

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