Sport : Blumen zum Sieg

Joachim Deckarm wird am 53. Geburtstag gefeiert

Hartmut Moheit

Berlin - Die Augen von Joachim Deckarm sehen müde aus und das Sprechen fällt ihm sichtlich schwer, aber sein Geist ist hellwach. „Ein gutes Spiel, wir führen doch“, sagt er langsam, während er die deutschen Spieler beobachtet, und dann wird er sogar fachlich: „Ins Turnier finden ist wichtig.“

In der Halbzeit des Spiels zwischen Deutschland und Brasilien brandet dann der Beifall für ihn auf, Joachim Deckarm wird an seinem 53. Geburtstag mit einem Blumenstrauß geehrt. Auch Bundespräsident Horst Köhler gratuliert dem ehemaligen Handballer, dessen Schicksal die Anhänger dieser Sportart heute noch bewegt. Knapp 28 Jahre ist jener Tag her, als er im ungarischen Tatabanya schwer verunglückte. Deckarm, der als Spieler beim VfL Gummersbach die Rückennummer 11 trug und bis heute von allen nur Jo genannt wird, prallte beim Tempogegenstoß unglücklich mit einem Gegenspieler zusammen. Erst viereinhalb Monate später erwachte er aus dem Koma.

Die erlittenen Schädel- und Gehirnverletzungen machten ihn zu einem Pflegefall. Seine ehemaligen Teamgefährten, allen voran sein Freund, der heutige Bundestrainer Heiner Brand, setzten sich immer wieder für ihn ein. Mit Brand zusammen erlebte er auch den sportlichen Höhepunkt seiner erfolgreichen Karriere, 1978 wurden beide mit dem bundesdeutschen Team um Trainer Vlado Stenzel Weltmeister. Mit Gummersbach war Deckarm an drei Meistertiteln und zwei Europacuperfolgen beteiligt. Diese Hilfe gerade aus dem Lager der Handballer zeigte beim 104-maligen Nationalspieler eine positive Wirkung. Bis zu seinem schweren Unfall galt er als einer der weltbesten Spieler, nun ging es darum, überhaupt motorisch Fortschritte zu erzielen. Sein ehemaliger Trainer Werner Hürter entwickelte dafür spezielle Programme, und mit jedem kleinen Fortschritt kam beim gebürtigen Saarbrücker ein Stück des Lebensmutes zurück.

In der Schmeling- Halle musste Joachim Deckarm viele Hände schütteln. Den Rollator als Gehhilfe stets vor sich, saß er in der ersten Reihe und hatte wieder einen alten Freund aus der Handballzeit neben sich: Horst Eggert. „Ich betreue Jo während dieser WM. Er wird sich einige Spiele der deutschen Mannschaft ansehen“, sagte der langjährige Betreuer des deutschen Teams.

Während er sprach, waren die Augen von Joachim Deckarm zum Spielfeld gerichtet. Die 60 Minuten hielt er durch, und am Ende ging ein kleines Lächeln über sein Gesicht. Seine Freunde hatten ihm mit dem Sieg wieder eine Freude bereitet.

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