Sport : Blut im Profil

Doping-Gutachter: Leichtathletik testet nicht richtig

Friedhard Teuffel
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Bengt Saltin

Berlin - Seit Jahren rennen dopingverdächtige Leichtathleten durch die Stadien und Straßen der Welt und müssen keine Verfolgung fürchten. Das hat der schwedische Wissenschaftler Bengt Saltin jetzt in Berlin erklärt und dem Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) große Vorwürfe gemacht: „Sie wissen, dass sie ein riesiges Problem haben. Aber sie versuchen nicht einmal, etwas dagegen zu tun.“

Saltin, langjähriger Direktor eines medizinischen Forschungsinstituts in Kopenhagen und Gutachter bei Dopingstreitigkeiten, hatte vor einigen Jahren die Blutprofile vor allem afrikanischer Läufer untersucht: „Bis vor sechs, sieben Jahren hatten sie normale Werte. Danach wurden sie abnormal.“ Das deute auf Blutdoping hin, beispielsweise mit Epo und mit Eigenblut, um die Ausdauer zu verbessern. Die Ergebnisse wunderten ihn nicht angesichts der Tatsache, dass bei Leichtathletikmeetings und Straßenrennen inzwischen sehr viel Geld zu verdienen ist.

Saltin wies auf den Internationalen Ski-Verband (Fis) hin, an dessen Anti-Doping-Konzept er mitgearbeitet hat. Die Fis hat inzwischen einen biologischen Pass eingeführt, in dem auch Blutprofile der Athleten geführt werden. Athleten könne über Veränderungen im Blutprofil Doping indirekt nachgewiesen werden. „Man weiß nicht, was sie genommen haben, aber man weiß, dass sie gedopt haben“, sagte Saltin. Derzeit seien die Profile von fünf Skilangläufern auffällig, sagte Saltin. Deutsche Athleten seien nicht darunter. Die Fis prüfe nun, ob die Indizien für eine Bestrafung ausreichen.

Den biologischen Pass vermisst Saltin bei den Leichtathleten. „Sie haben nur limitierte Blutprofile“, sagte Saltin. Die IAAF wies Saltins Kritik am Freitag zurück. „Wenn es Auffälligkeiten bei Blutproben gibt, führen wir Zielkontrollen durch“, sagte IAAF-Sprecher Chris Butler. Für den biologischen Pass fehlten dem Verband noch einige juristische Informationen. „Es kommt darauf an, dass alle Proben nach einem einheitlichen Standard genommen worden sind, sonst sind die Daten nicht rechtlich verwertbar“, sagte Butler, „aber wir werden spätestens im Januar beginnen.“

Der Internationale Radsportverband (UCI) hat ebenfalls schon damit begonnen, Blutprofile anzulegen. „In diesem Programm sind 800 Athleten einbezogen“, sagte UCI-Präsident Pat McQuaid. Einige davon wiesen ungewöhnlich hohe Werte auf, sagte McQuaid. Es könnte daher schon bald weitere Dopingfälle im Radsport geben.

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