Sport : Blut und Profil

Was nach Pechsteins Sperre passieren kann

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Berlin - Claudia Pechstein hat sich so viel mit juristischen Verfahren und medizinischen Gutachten beschäftigt, dass ihr die vergangenen 20 Monate deutlich kürzer vorgekommen sein müssen. Jetzt dauert es auch nur noch vier Monate, dann darf sie wieder wie alle anderen aufs Eis und Wettkämpfe bestreiten. Im Februar endet die Dopingsperre gegen die 38 Jahre alte Eisschnellläuferin. Doch was passiert eigentlich, wenn ihre Blutwerte dann wieder so auffällig schwanken?

Der Internationale Eisschnelllauf-Verband (ISU) könnte sich nun schon ein neues Blutbild von Pechstein machen. „Die ISU muss doch jetzt langsam mit der Re-Testing-Phase beginnen, um zu ermitteln, ob der gesperrte Athlet gedopt ist. Aber es hat sich noch kein Kontrolleur bei Claudia Pechstein gemeldet“, sagt ihr Rechtsanwalt Simon Bergmann. Wenn Tests nach wie vor so hohe Werte für die Retikulozyten, die jungen roten Blutkörperchen, ergeben, müsste Pechstein im Grunde gleich wieder gesperrt werden.

Es gibt allerdings Szenarien, die dagegen sprechen. Zum einen hat die Welt-Anti-Doping-Agentur inzwischen neue Richtlinien erlassen, die deutlich höhere Hürden für den indirekten Dopingnachweis vorsehen. Zum anderen ist die Frage, wie oft Pechstein getestet wird und ob die Anzahl der Tests für ein neues Blutprofil ausreichen.

Egal wie oft Pechstein offiziell getestet wird und ob die ISU diese Werte auch veröffentlicht – Pechstein will jede Menge Blut abgeben, um die Öffentlichkeit von ihrer Unschuld zu überzeugen. Das kündigte sie jetzt an, nachdem auch das Schweizer Bundesgericht ihre Dopingsperre bestätigt hat. Ein Problem gibt es dabei jedoch: Die Untersuchungen kosten Geld, und Pechstein hat im laufenden Verfahren eine Menge Geld verloren, eine mittlere sechsstellige Summe dürften Anwalts- und Gerichtskosten zusammen verschlungen haben. Die jüngste Niederlage vor dem Bundesgericht kostete sie 11 000 Schweizer Franken, 5000 muss sie ans Gericht, 6000 an die ISU überweisen.

Die Eisschnellläuferin ist also darauf angewiesen, dass Mediziner oder Mäzene ihren Fall für außergewöhnlich spannend halten und Kosten übernehmen. „Alle Mediziner sagen: Sie hat eine Anomalie, sie streiten nur darüber, welche es genau ist“, sagt ihr Anwalt Bergmann. Der Zusammenhang zwischen Anomalie und erhöhten Retikulozyten ist jedoch nicht bewiesen. Diesen Zusammenhang zu beweisen, ist jedoch Pechsteins einzige Chance, das zu widerlegen, was ihr die Juristen aufgrund der vorliegenden Gutachten bescheinigt haben: dass sie eine Doperin ist. Friedhard Teuffel

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