BMX : Vom Rand zum Ereignis

Längst kein Stadtpark-Hobby mehr.
Längst kein Stadtpark-Hobby mehr.Foto: dapd

BMX ist Olympia der nächsten Generation. Schnell, kurzweilig, spektakulär – und jung. Der Bundestrainer ist 26 Jahre alt, die Athleten sitzen auf Fahrrädern, die aussehen, als gehörten sie ihren kleinen Brüdern. BMX ist zum zweiten Mal olympisch, zum ersten Mal sind zwei Deutsche dabei. Es sei knallharter Leistungssport, sagen sie. Und eine große Schau.

Direkt neben dem Velodrom haben sie eine Berg- und Talbahn mit Steilkurven in die Landschaft gebaut. Auf den Tribünen jubeln 8000 junge Fans ihren Stars zu, wenn die sich von der acht Meter hohen Startrampe in den Kurs stürzen. Von null auf gut 65 Stundenkilometer in knapp zwei Sekunden. Die Sprünge sind schon mal um die 15 Meter weit, in drei Meter Höhe. Und aus den Boxen dröhnt Musik. Am heutigen Freitag finden Halbfinale und Finale der Frauen und Männer statt.

Maik Baier, einer der beiden deutschen Starter, war im Ziel der Qualifikation völlig außer Atem und begeistert. „Das ist der komplette Wahnsinn hier“, rief der 23-jährige Schwabe in den Lärm. In der Qualifikation rasen die Fahrer zunächst alleine gegen die Uhr über den Kurs. Dann hoppeln sechs Fahrer gegeneinander über die Hügel Richtung Ziel. Die ersten beiden kommen weiter. „Alles kommt auf den Start an“, erklärt Luis Brethauer. Zögern darf man nicht. Wer zu wenig Schnellkraft in den Beinen oder schwache Nerven hat, ist schon weg. „Die fahren hier alle volles Risiko“, sagt Bundestrainer Simon Schirle.

Aber das können sie. BMX ist längst nicht mehr Stadtpark-Hobby, sondern trainingsintensiver Dauerjob. Weil der 19-jährige Brethauer aus Reutlingen und sein Kollege Baier aus Bietigheim zu Hause keine passende Rampe haben, trainieren sie den Start in Cottbus, das Springen und Kurvenfahren in Dänemark auf speziellen Kursen und die Athletik im Olympiastützpunkt Stuttgart. Mit einer Bahn kann Stuttgart nicht dienen, deshalb die Reisen.

BMX ist wie Motocross ohne Motor oder Skicross auf zwei Rädern. Das hören sie aber nicht so gerne. „Wir trainieren sechs Stunden am Tag“, sagt Trainer Schirle, „die Jungs sind von ihren Arbeitgebern freigestellt, wir arbeiten mit modernsten Leistungstests, um alles rauszuholen.“ Was fehle, sei eine Supercrossbahn in Deutschland und mehr Unterstützung. „Unser Trainingslager haben wir selbst bezahlt“, sagt Baier.

Durch Brethauer und Baier ist Deutschland in zwei Jahren von Rang 24 auf Platz acht der Nationenwertung gestiegen und deshalb auch dabei bei den Spielen. Gestern schieden jedoch beide im Viertelfinale aus, Brethauer fehlte nur ein Punkt. BMX dürfte den Weg von Beachvolleyball gehen: vom belächelten Randereignis zum schicken Event. In London versuchten viele vor dem Stadion noch Karten zu kriegen. Und bei so einem Spektakel zeigt sich dann auch die Funktionärsschar, die im feinen Anzug auffällt in der bunten Masse. Aber man muss ja schauen, was die Zukunft bringt. Und die sieht bunt und spannend aus. Nur unterhalten sollte man sich nicht an der Strecke. Dazu ist es zu laut, viel zu laut.

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