Bob Hanning : Der Elitenmacher

Manager Bob Hanning hat die Füchse Berlin aus der zweiten Liga in die Champions League geführt – weil er aus Fehlern gelernt hat.

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Berliner Faustkämpfer. Bob Hanning hat die Handballer der Füchse in die Bundesligaspitze und in die Champions League geführt.
Berliner Faustkämpfer. Bob Hanning hat die Handballer der Füchse in die Bundesligaspitze und in die Champions League geführt.Foto: picture alliance / Eibner-Presse

Berlin - Die Geschichte beginnt Mitte der achtziger Jahre. Sie spielt in den Handballhallen der Stadt Essen. Das Tor im Nachwuchsteam des TV Cronenberg hütet ein Jugendlicher namens Robert, den aber alle nur bei seinem Spitznamen Bob rufen – und der Jahre später zu den mächtigsten Männern im deutschen Handball gehören soll. „Er war ein talentierter Keeper“, erinnert sich Matthias Rudolph, damals Spieler im Männerteam des Essener Verbandsligisten und häufig Zuschauer bei den Partien der B-Jugend. Allerdings, erzählt Rudolph, sei bereits damals absehbar gewesen, dass die ganz großen Stärken des jungen Torhüters eher abseits des Spielfeldes lagen als zwischen den Pfosten: „Der Bob, der war bereits damals ein Macher – einer, der sich auch nicht zu schade war, beim Metzger um die Ecke nach Sponsorengeld zu fragen.“

Klinkenputzen beim Fleischer ist heute für Bob Hanning längst passé. Mittlerweile denkt der Manager der Füchse Berlin in größeren Dimensionen. Sechs Jahre nach seinem Amtsantritt hat sich der ehemalige Zweitligist in der Spitze der Handball-Bundesliga etabliert, heute (15.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle, live auf Eurosport) treffen die Berliner in der Champions League auf Atletico Madrid – ein überraschender Aufstieg in einer Sportart, die über Jahre hinweg von den Teams aus Kiel, Hamburg und Flensburg dominiert wurde.

Dass die Füchse in diesen elitären Kreis vorgestoßen sind, liegt in erster Linie am System Hanning. Der gelernte Kaufmann packt die Dinge am liebsten selbst an, das zeigt auch ein Blick auf die Liste seiner Funktionen und Ämter: Hanning ist nicht nur Geschäftsführer und Manager, sondern auch Trainer des deutschen A-Jugend-Meisters, der SG Spandau/Füchse. Zudem fungiert er als Vizepräsident des Liga-Dachverbands und nebenher als Ko- Kommentator bei Live-Übertragungen.

Dieser Eifer ist dem 43-Jährigen allerdings auch schon zum Verhängnis geworden. Zum Beispiel beim HSV Hamburg, seiner vierten Bundesliga-Station als Trainer nach der SG Solingen, dem HC Wuppertal und der SG Willstätt/Schutterwald. Im Jahr 2002 war das Projekt HSV Hannings erster Versuch, Handball in einer Metropole zu etablieren. Hanning führte den Klub als Coach und Manager vom letzten Platz ins vordere Mittelfeld. Als der Verein 2005 jedoch in finanzielle Probleme geriet, traf Hanning eine folgenschwere Entscheidung: Er fragte seinen alten Essener Freund Matthias Rudolph um Hilfe – und das heutige Aufsichtsratsmitglied des HSV holte seinen Bruder, den schwerreichen Unternehmer Andreas Rudolph, als Präsident zum Verein. Gemeinsam hielten es die Machtmenschen Hanning und Rudolph aber nur vier Monate aus, dann trennten sich die Wege, offiziell einvernehmlich. Hanning sprach vom „bittersten Moment“ seiner Laufbahn.

Keine zwei Monate später stieg Hanning bei den Füchsen ein – diesmal ausschließlich als Manager. Offenbar hatte er aus seinen Fehlern gelernt. „In Hamburg hatte man manchmal den Eindruck, dass er noch über das Catering für die Sponsoren nachdenkt, während er auf der Trainerbank sitzt. Er hatte einfach zu viel um die Ohren“, sagt Matthias Rudolph. In Berlin hat Hanning mit Dagur Sigurdsson einen starken Coach an seiner Seite, der in der vorigen Saison von seinen Kollegen zum Trainer des Jahres gewählt wurde.

„Neben Bob Hanning ist er aus meiner Sicht der Grund für den Erfolg in Berlin“, sagt Rolf Brack. Der Sportwissenschaftler und Trainer des Bundesligisten Balingen- Weilstätten, gilt als Handball-Intellektueller. „Die Mischung passt“, sagt Brack. „Hanning hat gute Personalpolitik betrieben, Sigurdsson ist ein talentierter Trainer, der seinem Team eine clevere Spielweise eingeimpft hat und junge Spieler voranbringt.“ Brack führt das Beispiel Sven- Sören Christophersen an: 2010 unterschrieb er als hoffnungsvolles Talent in Berlin, mittlerweile zählt Christophersen aus Sicht des Balinger Trainers zu den besten Halblinken der Liga. „Die Füchse haben individuell und als Mannschaft einen Sprung gemacht, sie sind abgezockt.“

Effektive Spielweise und kluge Transfers wären aber nur die Hälfte wert, wenn die wirtschaftliche Basis nicht gegeben wäre. Da scheinen die Berliner in ihrer fünften Bundesligasaison gut aufgestellt zu sein, auch wenn nur eine schwarze Null am Ende der ersten Europapokalsaison angepeilt wird. Mehr als 50 Sponsoren zählt der Klub zu seinen Partnern – in erster Linie ein Verdienst des Managers.

„Als Verhandlungsführer ist Bob Hanning hart und fair. Er weiß genau, was er will – und das versucht er durchzusetzen“, sagt Matthias Pietza, Geschäftsführer der International Management Group (IMG). Der Sportmarketing-Konzern war in den vergangenen drei Jahren Sponsor der Füchse, im Juni 2011 wurde der ursprünglich auf zehn Jahre geschlossene Vertrag aber überraschend aufgelöst. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten für beide Partner nicht mehr gestimmt, sagt Pietza, allerdings lobt auch er: „Im Vergleich zu den drei großen Klubs haben Hanning und der Trainer mit überschaubaren Mitteln einen hervorragenden Job in der Kaderzusammenstellung gemacht.“

Das honorieren auch die Zuschauer. Etwa 7800 sind es in dieser Saison durchschnittlich. Rolf Brack erinnert sich noch genau an ein Heimspiel der Füchse in der Zweiten Liga: „Da saßen 400 Leute in der Halle. Handball hat damals in Berlin niemanden interessiert.“

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