Bob Hanning : "Die WM war der logische Tiefpunkt"

Füchse-Manager Bob Hanning spricht mit dem Tagesspiegel über die Krise des deutschen Handballs, Lösungsansätze und die Zukunft des Bundestrainers.

Bob Hanning, 42, ist Geschäftsführer der Füchse Berlin und Vizepräsident der Handball-Bundesliga. Zuvor war er der Assistent von Bundestrainer Heiner Brand beim Nationalteam. Foto: ddp
Bob Hanning, 42, ist Geschäftsführer der Füchse Berlin und Vizepräsident der Handball-Bundesliga. Zuvor war er der Assistent von...Foto: ddp

Herr Hanning, die deutschen Handballer waren in Schweden so schlecht wie noch nie in der 73-jährigen WM-Geschichte. Hat Sie das überrascht?
Dass es so kommen würde, war für mich absehbar. Diese Weltmeisterschaft war nur ein logischer Tiefpunkt der negativen Entwicklung der Nationalmannschaft seit dem Gewinn des Titels 2007. Es gibt nicht den Fehler und den einen, der den Fehler gemacht hat.

Die EM vor einem Jahr mit dem zehnten Platz war auch schon ein Desaster.

Als Erklärung dafür wurde damals genannt, dass die Weltspitze breiter geworden sei – eine totale Verklärung der eigenen Situation. Tatsache ist, dass die deutschen Handballer aus dem Kreis der Weltspitze herausgefallen sind.

Sie hatten vor der WM bereits die Führungsschwäche innerhalb des Teams bemängelt und sind dafür von Torhüter Johannes Bitter kritisiert worden.

Ich wäre froh, wenn ich nicht Recht behalten hätte. Aber genau das war ein entscheidendes Manko der Deutschen.

Der aktuelle Welthandballer Filip Jicha vom THW Kiel sagt über seine deutschen Kollegen: „Einigen deutschen Handballern scheint es zu reichen, der bekannteste Handballer zu sein. Der beste wollen sie gar nicht werden.“

Natürlich, auch auf die Eigenansicht kommt es an. Auch, ob ich selbstbewusst auftrete oder das Selbstbewusstsein nur vorspiele.

Frankreichs Weltklasse-Torhüter Thierry Omeyer verweist darauf, dass in seinem Land auf Medaillen im Jugend- und Junioren-Bereich zugunsten der individuellen Ausbildung eher verzichtet wird. Wäre das auch in Deutschland denkbar?

Es kommt darauf an, Persönlichkeiten zu formen, die die Vorgaben des Trainers umsetzen können, und in der Lage sind, individuell zu entscheiden, der jeweiligen Situation entsprechend.

Auf den zentralen Positionen in der Bundesliga kommt ein junger Handballer meist an ausländischen Stars nicht vorbei. Teilen Sie die Auffassung von Bundestrainer Brand, dass dies ein entscheidendes Problem ist?

Ja. Ich schlage eine Selbstverpflichtung der Vereine vor, innerhalb von drei Jahren erst drei, später vier U-23-Spieler auf dem Spielberichtsbogen zu haben.

Was nützt es, wenn die jungen deutschen Spieler dann auf der Bank sitzen?

Bei vier Spielern würde das so nicht passieren.

Warum weigern sich viele Vereine, diesen Schritt zu gehen?

Weil das zunächst einmal eine Qualitätseinbuße bedeuten könnte. Verzicht auf sportlichen Erfolg bedeutet auch Verzicht auf Zuschauer, Geld, Sponsoren und Medienrummel. Ein Beispiel: Als wir in Göppingen verloren hatten, wurde getitelt: Füchse zu blöd! Davor wurden wir noch in den Himmel gehoben.

Was können Sie als Vizepräsident der Handball-Bundesliga ausrichten?

Mich hatte mal gereizt, etwas bewegen zu können. Derzeit weiß ich nicht, ob ich dafür noch einmal kandidiere.

Tatsache ist aber auch, dass auch Ihre Füchse nur mit ausländischen Topspielern das Ziel Europacup schaffen können.

Natürlich, aber dennoch setzen wir auf den Nachwuchs. Ich habe viel Kritik einstecken müssen, dass ich nach dieser Saison nicht mehr mit Konrad Wilczynski plane, sondern auf Colja Löffler aus dem eigenen Nachwuchs setze. Es geht nur Stück für Stück.

Denken Sie als sein früherer Kotrainer, dass Heiner Brand als Bundestrainer weitermacht?

Ich würde mich freuen, wenn er weitermachen würde. Ich finde es wenig hilfreich in der jetzigen Phase, dass DHB-Präsident Ulrich Strombach bereits Christian Schwarzer als Nachfolger ins Spiel gebracht hat.

Jetzt sagt Strombach, er wolle auch über 2013 hinaus mit Brand verlängern. Aber hat nicht auch Brand Fehler gemacht?

Auch. Er hat die Rolle von Michael Kraus und von Pascal Hens nicht richtig eingeschätzt. Ich hätte mir auch gewünscht, dass Sven-Sören Christophersen von den Füchsen eine richtige Chance bekommen hätte. Er ist Regisseur, und er hat auf einer zentralen Position in der Bundesliga einen Stammplatz.

Das Gespräch führte Hartmut Moheit.

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