Bob Hanning, Füchse Berlin : "Europa ist nicht fern"

Füchse-Manager Bob Hanning über die Ziele der Berliner Handballer und Neuzugang Christophersen.

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Herr Hanning, werden Sie jetzt, da die Handballeuropameisterschaft ansteht, von Wehmut geplagt?



Nein, überhaupt nicht. Warum sollte ich?

Weil Sie mal Kotrainer der Nationalmannschaft waren und bei solchen Höhepunkten dabei sein durften. In Ihrem jetzigen Job als Füchse-Geschäftsführer sind Sie doch ein Stück vom ganz großen Handball entfernt.

Moment, die Füchse spielen in der stärksten Liga der Welt, in der sehr viele internationale Stars auflaufen. Ich habe diesen Weg ganz bewusst gewählt. Es soll ja auch für uns nicht bei der Bundesliga bleiben, unser Ziel ist international ausgerichtet.

Wie wollen Sie das erreichen? Derzeit sind die Füchse Tabellenneunter.

Indem wir uns weiter verstärken. Ein aktuelles Beispiel: Sven-Sören Christophersen kommt zur neuen Saison aus Wetzlar zu uns.

Das wäre nach Silvio Heinevetter der zweite deutsche Nationalspieler bei den Füchsen. Einer, den auch Lemgo und Flensburg haben wollten. Was erwarten Sie von ihm?

Sehr viel erwarte ich für die Stärkung des linken Rückraums. Sven-Sören ist 24 Jahre alt, sehr talentiert und passt auch menschlich gut zu uns. Er kann halblinks und in der Mitte spielen.

Und was planen Sie für Halbrechts, die Linkshänderposition?

Auch da sind wir sehr aktiv.

Ist Alexander Pettersson aus Flensburg ein Thema?

Das ist ein sehr interessanter Spieler, der uns bestimmt in der nächsten Saison sehr helfen könnte.

Worauf achten Sie bei Neuverpflichtungen besonders, vom sportlichen Können einmal abgesehen?

Ich will, dass die Füchse immer auch ein Stück deutsch bleiben und der eigene Nachwuchs, in den wir ja sehr viel investieren, integriert wird. Wie Colja Löffler, der seine Chance am Kreis genutzt hat.

Und wer wird den Verein verlassen?

Rico Göde, den Colja Löffler ersetzen wird, und leider auch Kjetil Strand. Der Norweger prägt das Gesicht unserer Mannschaft, deshalb bedauere ich das. Aber sein Körper ist dem hohen Leistungsdruck der Bundesliga perspektivisch nicht mehr gewachsen.

Was wird aus Petr Stochl, Mark Bult und Markus Richwien, deren Verträge ebenfalls auslaufen?

Wir werden uns im Februar hinsetzen und nach einer Lösung suchen. Mein Ziel ist es, das Gesicht der Mannschaft nicht gravierend zu verändern.

Wie groß ist der wirtschaftliche Spielraum bei den Füchsen überhaupt?

Wir werden auch diese Saison mit einem ausgeglichenen Etat beenden. In der kommenden Spielzeit werden wir dann sicherlich die Vier-Millionen-Euro-Grenze überschreiten. Trotzdem sind wir nicht mit Geld gesegnet, unsere Verpflichtungen müssen wir genau abwägen. Mal eben zwei Millionen Euro in den Sand zu setzen, das können sich vielleicht die Rhein- Neckar Löwen erlauben. Wir hätten dann sportlich keine Perspektive mehr.

Stehen Sie nicht unter Investitionszwang, wenn Sie in den Europacup wollen?

Natürlich wollen wir da hin, aber wir stehen nicht in der Pflicht, das auf Pump zu erreichen. Der Verein lebt von innen heraus, die erste Mannschaft muss das zweite Team mitfinanzieren, und außerdem haben wir einen sozialen Auftrag im Kinder- und Jugendbereich. Das alles darf man nicht auseinanderreißen.

Können Sie den Fans vermitteln, wenn die Mannschaft in dieser Saison auf Platz neun hängen bleibt?

Ich denke ja. Dass wir bei den Zuschauerzahlen in der Bundesliga nicht weit hinter dem Spitzentrio auf Platz vier stehen, dass wir selbst gegen nicht so namhafte Gegner ein volles Haus haben – das zeigt doch, dass die Fans sich mit uns identifizieren. Der Europacup ist keine Pflicht.

Aber machbar sollte er schon sein, oder?

Ja, Großwallstadt und Gummersbach können wir angreifen, Lemgo ist die Enttäuschung der Saison. Wir haben aber ein sehr schweres Rückrundenprogramm.

Wie weit sind Sie von Europa entfernt?

Nicht so weit, wie es die Tabelle aussagt. Wenn wir uns so weiterentwickeln wie bisher, ist mir um die Zukunft nicht bange. Dafür haben wir mit Dagur Sigurdsson genau den richtigen Trainer.

Haben Sie eigentlich mal überlegt, in Berlin alles hinzuschmeißen, weil es Ihnen nicht schnell genug geht?

Ja, diese Gedanken hatte ich schon mal, als ich nicht das Gefühl hatte, dass unser Konzept in Berlin genügend unterstützt wird. Aber das ist schon einige Zeit her.

Das Gespräch führte Hartmut Moheit.

Bob Hanning, 41, ist seit 2005 Manager der Füchse Berlin, die 2007 in die Bundesliga aufstiegen. Zuvor trainierte er den HSV Hamburg und war Kotrainer der deutschen Nationalmannschaft.

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