Bob : Oben geblieben

Friedhard Teuffel fordert einen Preis für den Startverzicht von Bobfahrer Daniel Schmid.

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Es gibt im Sport so viele Medaillen, Titel, Auszeichnungen, aber für Daniel Schmid muss trotzdem noch ein Preis erfunden werden. Der Schweizer hat eigentlich nichts gemacht – und gerade dafür so viel Respekt verdient. Auf den Start im Zweierbob hat er verzichtet und erklärt: Die Bahn sei zu gefährlich und die Gesundheit wichtiger. Er wolle da nicht lebensmüde herunterdonnern. „Das ist kein Sport mehr, sondern nur Spektakel. Für so ein Limit ist der Mensch nicht geschaffen.“

Aber so wie Olympische Spiele funktionieren, wird Schmid allenfalls ein paar Schulterklopfer bekommen. Vielleicht fragen sich manche, ob Schmid einfach nicht gut genug für seinen Sport sei und deshalb verzichtet habe. Dabei ist er schon 34, hat eine Menge Erfahrung und kommt nicht gerade aus einem Entwicklungsland des Bobsports. Möglich, dass sich mancher sogar sagt, Schmid sei feige gewesen, weil er sich nicht mehr auf die Bahn von Whistler getraut habe. Das Gegenteil ist richtig. Vier Jahre auf Olympische Spiele hinzuarbeiten, dann auf den Start, die Erfolgschance, all das feierliche Drumherum zu verzichten und diese Situation zu ertragen – anders als tapfer kann man das nicht nennen.

Schmid war im Training gestürzt, sein Bremser hatte sich eine Verletzung an der Halswirbelsäule zugezogen. Im Wettbewerb hätte Schmid mit einem anderen Bremser starten können. Tat er jedoch nicht. Parallel zum Verzicht hat der Schweizer auch noch die Verhältnisse in Whistler öffentlich angeprangert und das Gespräch mit den Olympia-Organisatoren gesucht.

Das Bobfahren und Rodeln ist in den vergangenen Tagen oft mit dem Autofahren verglichen worden. Ein Athlet hat gesagt, dass tödliche Verkehrsunfälle auch nicht dazu führen, dass die Menschen nicht mehr Auto fahren, deshalb würde es auch nach dem Tod des georgischen Rodlers in Whistler weitergehen. Das stimmt zwar. Aber ein verantwortungsbewusster Fahrer setzt sich auch nicht mehr in den Wagen, wenn die Fahrbahn so glatt ist, dass er keine Kontrolle hätte. Genau das hat Daniel Schmid getan und damit nicht nur für sich selbst Verantwortung übernommen, sondern auch für seine Mitfahrer im Bob. Er ist oben geblieben. Ein Bobpilot mit besonderem Fahrgefühl.

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