Sport : Bob-WM: Rote Nelke im Knopfloch

Ein breites Siegerlächeln, die linke Hand am Weißbierglas und dazu bayrische Blasmusik: Christoph Langen fühlte sich nach dem Gewinn der doppelten Weltmeisterschaft in St. Moritz bestens. Den Sieg der deutschen Piloten im Vierer komplettierte Titelverteidiger Andre Lange aus Oberhof mit dem Gewinn der Silbermedaille. "Ich fühle mich sauwohl hier, das ist einfach Wahnsinn", sagte der 38-jährige Langen: "Ich werde zum zweiten Mal Doppel-Weltmeister, und das noch in St. Moritz. Da bin ich schon ein wenig sprachlos." Mit dem zweiten derartigen Triumph nach 1996 schrieb der Olympiasieger aus Unterhaching ein Stück Bob-Geschichte. Der Ausnahmeathlet schaffte als dritter Pilot überhaupt nach dem Italiener Eugenio Monti (1960, 1961, 1968) und Anderl Ostler aus Garmisch-Partenkirchen (1951, 1952) die Wiederholung eines derartigen Glanzstückes.

"Das ist eine absolute Sternstunde, ein besonderes Erlebnis", sagte Klaus Kotter, Präsident des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD). Der 67-Jährige heftete "zur Feier des Tages und zum Einkratzen" seinem Chefbundestrainer Raimund Bethge eine rote Nelke ins Knopfloch. Auch wusste er auf Anhieb: "Einen solchen Doppelsieg in St. Moritz schaffte vor uns Wolfgang Zimmerer 1974, das gibt es eben nicht alle Tage."

Auch Raimund Bethge war nach dem siebten WM-Titel seines Musterschülers sichtlich bewegt. "Ich bin sprachlos, das Wort zum Sonntag von mir fällt heute aus", meinte er. Respekt und Beifall zollten nicht nur die zahlreich mitgereisten Anhänger und die fachkundigen Schweizer, auch Prinzessin Caroline von Monaco und Prinz Ernst August klatschten bei Champagner-Wetter bewundernd in die Hände.

Hinter Langen mit den Anschiebern Markus Zimmermann, Sven Peter und Alexander Metzger sowie dem nach vier Läufen gleich um 1,24 Sekunden geschlagenen Lange blieb den Schweizern wenigstens Bronze durch Christian Reich (1,50 Sekunden). Europameister Matthias Benesch aus Altenberg musste sich mit Rang sechs begnügen. Reich: "Gegen Langen ist derzeit kein Kraut gewachsen, da haben wir bis zu den Olympischen Spielen noch viel Arbeit."

Den souveränen Langen, der in den vergangenen Jahren häufig noch nach der Saison im Engadin trainierte, brachte auch eine falsche Wetterprognose bei den ersten beiden Läufen am Samstag nicht aus der Goldspur. Er hatte mit grimmiger Kälte und Sonnenschein gerechnet und sich in der zweiten Startgruppe auslosen lassen - ein Wärmeeinbruch änderte die Bedingungen. Im vierten Lauf konnte sich Langen sogar einen Materialtest leisten.

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