Bochum : Ein Unentschieden, das beiden hilft

Bochum und Stuttgart versuchen, dem 1:1 positive Seiten abzugewinnen.

Imhof
Luft nach oben. Wie Daniel Imhof (links) bedrängen die Bochumer den VfB beim 1:1 und dämpfen damit die Hoffnung der Stuttgarter...Foto: dpa

Das Bochumer Stadion hatte zuletzt nur Gutes für den VfB Stuttgart. Am vorletzten Spieltag der vergangenen Saison hatten die Schwaben sich mit einem Auswärtssieg in Bochum an die Spitze der Bundesligatabelle gesetzt und den entscheidenden Schritt zum Titelgewinn gemacht. Zehn Monate später dürfen sie sich immer noch Deutscher Meister nennen, haben auf dem Fußballplatz aber viel von ihrem Glanz eingebüßt. Am 24. Spieltag der aktuellen Spielzeit erreichte der VfB in Bochum nur ein Remis. Damit endete eine Stuttgarter Serie von vier Bundesligasiegen, die wieder Hoffnung auf die Qualifikation für den Uefa-Pokal geweckt haben. Stuttgart bleibt Sechster mit drei Punkten Rückstand auf den aktuellen Fünften Schalke. Wenn man die Tordifferenz berücksichtige, müsse der VfB sogar vier Punkte gutmachen, sagte Stuttgarts Trainer Armin Veh.

Beim 1:1 vor 25 000 Zuschauern lieferten sich beide Mannschaften einen intensiven Kampf mit einer Reihe von Chancen, aber eben nur mit zwei Toren – es hätten durchaus mehr werden können. Die Bochumer durften den Punkt aktuell eher als Gewinn werten als der Deutsche Meister aus der Vorsaison. VfL-Trainer Marcel Koller sprach trotz des Unentschiedens von einer „gewissen Siegermentalität“, die sein Personal sich zu eigen gemacht habe. Auch als kleinerer Verein gebe sich Bochum mit einer knappen Niederlage gegen den Deutschen Meister nicht mehr zufrieden“. Inzwischen sei der VfL selbstbewusst genug, auch gegen namhafte Gegner nach Höherem zu streben.

Mittelfeldspieler Christoph Dabrowski hatte den schwachen Stuttgarter Start und eine Flanke des rechten Verteidigers Marc Pfertzel zum Führungstreffer genutzt (20. Minute). Bis dahin „war Bochum besser“, sagte Veh. „Wir haben am Anfang nicht mit dem letzten Biss nach vorn gespielt.“ Die Westfalen wussten ihren Vorsprung aber nicht zur Vorentscheidung auszubauen. Im Gegenteil: Sie hatten sich den Ausgleich selbst zuzuschreiben. Kurz nach der Pause profitierte der Stuttgarter Nationalspieler Thomas Hitzlsperger von einer Konfusion im Bochumer Abwehrzentrum. Ciprian Marica gelang es, sich in Bedrängsnis gegen mehrere Defensivkräfte durchzusetzen und die Kugel schließlich dem Torschützen vorzulegen. „Da waren wir in Überzahl, aber nicht aggressiv genug“, sagte Koller. Von seinen Verteidigern hätte jeder gedacht, der andere nimmt ihn, beschrieb Koller die Szene, die zum Ausgleich führte. Der Bochumer Fußball-Lehrer zeigte sich darüber umso mehr verärgert, weil er sein Personal in der Pause ausdrücklich dazu aufgerufen hatte, dem zu erwartenden Ansturm zu Beginn des zweiten Durchgangs aggressiv entgegenzutreten. „Und dann bekommen wir nach zwei Minuten das 1:1.“

Nach dem Ausgleich verlief die Partie ausgeglichen und jederzeit offen. Beide Parteien strebten ein weiteres Tor an, und beiden bot sich die Chance, den Ertrag zu steigern. Da diese Chance ungenutzt blieb, versuchten die Trainer am Ende jeweils, die inneren Werte dieses Unentschiedens zu erkennen. Koller freute sich über das neue Anspruchsenken der Bochumer, sein Stuttgarter Kollege Armin Veh über einen Zugewinn an Stabilität. „Unser Auftreten ist wieder souveräner“, sagte der VfB-Trainer.

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